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Randerscheinung

Zeilen aus der Quarantäne

(c) Carolina Frank
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Ohne Symptome und negativ getestet als K1-Person nicht aus dem Haus zu dürfen, fühlt sich schon komisch an.

Ich schreibe diese Zeilen aus der Quarantäne heraus. Ja, das ist ein Anfang, wie man ihn sich als Kolumnist nur wünschen kann, und ich fühle mich auch gleich ein bisserl wie Edmond Dantès in seinem Verlies. Allerdings waren es Neid, Eifersucht und Verrat, die den Grafen von Monte Christo in seine missliche Lage gebracht haben, bei mir war's nur ein schmuckloses Businessmeeting. 

Psychologisch ist so eine Quarantäne eine blöde Sache. Wenn man krank ist, sowieso und noch viel mehr; aber wie in meinem Fall ohne Symptome und negativ getestet als K1-Person nicht aus dem Haus zu dürfen, fühlt sich schon komisch an. Man ist im wahrsten Sinne des Wortes seiner Freiheit beraubt. Und anders als während des Lockdowns im Frühjahr, wo ja alle gleichzeitig betroffen waren, ist man recht allein mit seiner Situation. Oder eben gar nicht, wenn ich an die Familie denke, die ja weiter mit mir zusammenlebt. Einerseits möchte ich natürlich niemanden anstecken, andererseits bin ich überzeugt, nichts zu haben - und selbst wenn, wie realistisch ist es, das Virus nicht längst weitergegeben zu haben?

Nun erfahre ich also per Merkblatt, ich soll u. a. nach Möglichkeit meinen Müll separat entsorgen, Türschnallen und Lichtschalter desinfizieren und keine Hygieneartikel teilen. Ein Glück, dass ich schon vorher eine eigene Zahnbürste hatte. Sonst habe ich von offizieller Stelle nie etwas gehört, Wien hat angerufen, fühlte sich dann aber für den Speckgürtler nicht zuständig, die niederösterreichischen Behörden haben sich nie bei mir gemeldet. Das Ende meiner Quarantäne deckt sich dann übrigens ziemlich genau mit dem Start der Herbstferien und damit der Verschärfung der allgemeinen Corona-Maßnahmen. Mit dem Rausgehen wird es also wieder eher nichts mehr.

(Die Presse - Schaufenster", Print-Ausgabe, 30.10.2020)