Publizistik: Schreckgespenst Aufnahmeprüfung

Publizistik Schreckgespenst Aufnahmepruefung
Publizistik Schreckgespenst Aufnahmepruefung(c) APA/HERBERT PFARRHOFER (HERBERT PFARRHOFER)
  • Drucken

Aufnahmetest, sinkende Bewerberzahlen: Überfüllte Hörsäle könnten im Publizistikstudium bald der Vergangenheit angehören. Weniger Anmeldungen sind die Folge einer "bewussteren Studienwahl".

Wien. Die Aufnahmetests in Medizin und Psychologie konnten den Ansturm auf die beliebten Studienrichtungen bislang nicht bremsen. Ausgerechnet im Massenfach Publizistik hat der Eingangstest nun seine – insgeheim durchaus erhoffte – abschreckende Wirkung unter Beweis gestellt. Erstmals sollten heuer auch hier Aufnahmeprüfungen durchgeführt werden – und schon gingen die Anmeldezahlen schlagartig zurück. Bleibt die Frage, warum sich gerade Publizistik-Interessierte durch den Test entmutigen ließen?

An den Unis Wien und Klagenfurt gibt es – nach steigenden Anmeldungen in den Vorjahren – sogar weniger Interessenten als Plätze: In Klagenfurt kommen 100 Bewerber auf 180 Plätze, in Wien 970 auf 1123. Eine Aufnahmeprüfung ist damit nur in Salzburg notwendig. Hier gibt es einen Überschuss von nur 37 Bewerbern. Für Klaus Lojka, Studienprogrammleiter der Fachrichtung Publizistik an der Uni Wien, kommt das wenig überraschend. Im Vorjahr hätten sich rund 300 Studenten erst eine Woche vor Semesterbeginn für ein Publizistikstudium an der Uni Wien entschieden. „Das lässt nicht gerade auf eine gut überlegte Studienwahl schließen“, so Lojka. Die Durchführung des Tests wirke dieser Entwicklung entgegen.

Warum Medizin- und Psychologie-Interessenten kaum von Aufnahmetests abgeschreckt werden, könnte nach Ansicht von Christiane Spiel, Bildungspsychologin an der Uni Wien, an den jeweiligen beruflichen Perspektiven liegen. Während der Medizinstudent Arzt wird und der Psychologiestudent meist Psychologe, würden Publizistikstudenten eben nicht zwingend Journalisten. Ein Karriereweg ist damit nicht vorgegeben. „Besonders in einer Zeit, in der es wirtschaftlich eng ist, möchten die Studierenden Klarheit darüber haben, was sie nach dem Studium erwartet.“

Auch wenn sich Uni Wien (die trotz Beschränkung über knappe Kapazitäten klagt) und Wissenschaftsministerium über die Zahl der zu vergebenden Studienplätze uneins sind, ist man beiderseits der Meinung, dass die Publizistik-Aufnahmeprüfungen zu einer „bewussteren Studienwahl“ führen. In Zukunft soll das durch eine bessere Information über das breite Studienangebot gefördert werden.

Expertin will Absolventenprofil

Aus bildungspsychologischer Sicht wäre es wünschenswert, wenn es für jedes Studium ein konkretes Anforderungs- und Absolventenprofil gäbe, so Spiel. Die Wahl des Studiums sei nicht zuletzt deshalb schwierig, da man vorab nicht genau wüsste, was einen erwartet.

Als Folge der Beschränkung des Publizistikstudiums ist nun aber auch ein Verdrängungseffekt zu erwarten. Schon nach Einführung des Medizintests konnte man beobachten, dass die Studierendenzahl in benachbarten Fächern, wie Biologie und Pharmazie, stieg, so die Bildungspsychologin. Welche Studienrichtungen nun betroffen seien werden, könne man noch nicht seriös abschätzen.

Ein umstrittener Erfolg

(c) Die Presse / JV

Für die Uni Klagenfurt, die zuletzt vor allem in der Psychologie über Engpässe klagte, sei die Einführung der Aufnahmetests dennoch ein Erfolg, sagt Rektor Heinrich Mayr zur „Presse“. Anders sieht das die ÖH Uni Wien: Eine „Abschreckung“ von Studenten löse das eigentliche Problem – die Unterfinanzierung der Unis – nicht. Dessen ist sich auch Mayr bewusst: „In meiner Brust schlagen mehrere Herzen, zum einen möchte ich mehr Studienplätze anbieten, zum anderen muss das Betreuungsverhältnis gesichert werden.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.08.2010)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.