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Testessen in The Bank Brasserie

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Das letzte Dinner fand im Kassensaal statt. Dann steigen wir auf Take-away um: Figlmüller verpackt das Schnitzel wie eine Nobel-Pizza. Perfekt für den November.

 

Restaurantkolumnen sind angesichts der aktuellen Zeit unter Umständen nicht das ideale Genre – für Chefredakteure insbesondere. Zumal die Möglichkeiten begrenzt sind. Daher wird auch diese Kritik zu einer Lebenskolumne umfunktioniert. (Wie im Übrigen fast alle Kolumnen vom Sachbezug in Richtung Bauchnabelbeschaulichkeit gleiten.) Das letzte Dinner – Abendmahl wage ich natürlich nicht zu schreiben – fand in der Brasserie The Bank statt. Das nahe Fabios hatte schon die freiwillige Quarantäne angetreten, zahlreiche Geschäftsessen waren auf die Restaurants der Umgebung verlagert worden.

Im Park Hyatt, der zum Hotel umgebauten einstigen Länderbank-Zentrale, sitzt man mit verlässlichem Abstand im ehemaligen Kassensaal, in dem auch ich einst mein Studentenkonto unterschrieben habe, das ich im Gegensatz zum Finanzminister das eine oder andere Mal überziehen durfte. Das optisch beeindruckende Restaurant zieht an normalen Abenden auch internationale Gäste und solche aus Russland an. Aber was ist schon ein normaler Abend – und manche Wiener kriegen den Russen auch gut hin. Ich bestelle daher natürlich nicht den Luxus-Burger mit Gänseleber, sondern den geschmorten Chicoree. An dieser Stelle darf ich eine Lanze für leicht angebratenes Bittergemüse brechen, die perfekte Beilage für diesen November!

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Dass ein Edelrestaurant zu einer Brasserie umfunktioniert wird, ist ein in vielen ­Städten zu beobachtendes Phänomen: Die französische Kombination aus Luxus, ­Lässigkeit und klassischer Küche mag man eben, als da wären Steaks, Beef Tatar, Muscheln und Pommes Frites und – ja, auch in London und Paris – das Wiener Schnitzel. (Das einzige diesmal nicht gelungene Gericht waren die Miesmuscheln, die halbe Tonne Knoblauch und Gewürze sollte entweder von der mediokren Qualität der Molusken ablenken oder ein besonderer Covid-19-Test sein — wer das nicht schmeckt, gehört sofort ins Bett.)

Leider bietet The Bank kein Take-away-Service an, daher an dieser Stelle eine echte, vielleicht überraschende Empfehlung. In Österreich und Wien hatte Take-away im Vergleich zu echten Städten einen schweren Stand. Mit dem Lockdown rüsten wir nun alle um, ein meist unbeachteter Punkt: Die Verpackung muss praktisch und (!) formschön sein. Das hat die Familie Figlmüller begriffen wie kaum wer: Die riesigen Wiener werden in großartig schönen Kartons geliefert oder eben abgeholt. Auf den ersten Blick könnte es sich um eine Nobelpizza handeln, doch dann die freudige Überraschung: Das perfekte Schnitzel. Der perfekte November-Begleiter.

The Bank Brasserie, Bognergasse 4, 1010 Wien, Tel.: +43/(0)1/227 40 12 36, Restaurant:
Mo–So: 7–10.30, 12–14.30, 18–0 Uhr.

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