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Arcade Fire gerieren sich als Sprachrohr der „Generation A“

"Ich will nicht warten!" Butler singt das weniger, als er es skandiert.
"Ich will nicht warten!" Butler singt das weniger, als er es skandiert.(c) Screenshot
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Sänger Win Butler stellt sich im neuen, bei der Stephen Colbert Show präsentierten Arcade-Fire-Song als Vertreter der ungeduldigen, von den Alten enttäuschten Jugend vor. Das wirkt anmaßend.

Ein Popsong zur Zeit, scharf im Zeitgeist, das wär's, das würden wir brauchen, am besten mit schlauem Slogan. Das denken viele, das hat sich wohl auch Win Butler, Meistergeist der klugen kanadischen Band Arcade Fire, gedacht. Etwas wie „Satisfaction“ oder „Smells Like Teen Spirit“, hat er sich vielleicht gedacht, oder wie „My Generation“ von The Who. Ach ja, da gibt's doch diese Generationen, X, Y, Z, Alpha und so weiter. Und da gab's „Kid A“ von Radiohead. Zusammen gibt das die „Generation A“, und so heißt nun der neue Song von Arcade Fire, der erste seit dem Album „Everything Now“ (2017). Live vorgestellt wurde er in Stephen Colberts TV-Show „Election Night 2020: Democracy's Last Stand“.

Der Song beginnt mit einem vielleicht neunjährigen Kind mit Cowboyhut, ein rotes Schnäuztuch als Maske um den Mund, das auf die Bühne stapft und ruft: „This is generation A and we're not gonna wait!“ Schnell verschwindet es wieder, die ebenfalls maskierten Erwachsenen bleiben und musizieren: ein schnell schwirrendes Keyboard-Thema, kontrastiert von einem wuchtigen Gitarrenriff. Das erinnert an einen anderen großen Generationensong, an „Baba O'Riley“, in dem The Who 1971, also gerade sechs Jahre nach „My Generation“, schon auf die – ihre – Jugend zurückblickten: „It's a teenage wasteland.“

Refrain: „I can't wait"

Übers Teenager-Ödland singt Butler nicht, sondern er, immerhin auch schon 40 Jahre alt, geriert sich als Sprachrohr der Teenager, der Generation A, das gegen „sie“, also gegen die Alten polemisiert: Sie sagen immer, wir sollen warten, sie sagen, die Zeiten werden sich schon ändern, sie sagen, wartet bis ihr älter seid, aber wir wollen nicht warten! Ich will nicht warten!

Butler singt das weniger, als er es skandiert, ein Demo-Chor feuert ihn an, während er Unheil aufzählt: Kalifornien brennt, New Orleans wartet auf die Flut, Rassisten rennen, Städte brennen, alles geht zugrunde. Schlimm, gewiss, aber es klingt wie Abzählreime in diesem Song, der schnell vorbei ist und einen leeren Eindruck hinterlässt. Das hat bisher noch kein Song von Arcade Fire getan.

„Generation A“ soll, sagt Win Butler, „a hopeful message to the youths“ sein. Als Pop jung und groß war, war er keine Botschaft an die Jugend, sondern eine Botschaft der Jugend. Das hat sich längst geändert. Butler weiß das und tut, als ob er es nicht wüsste, als ob es reichen würde, statt in der dritten Person in der ersten Person zu singen. Es reicht nicht.