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Bindehautentzündung

Wenn das Auge juckt und rot ist

Adult man scratching itchy eyes in the street
Allergien, vor allem auf Staub oder Pollen, sind häufig auch Auslöser für Augenbeschwerden.(c) Getty Images/iStockphoto (AntonioGuillem)
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Gerstenkorn, Lidrand- oder Bindehautentzündung. Alles tut weh, ist lästig und macht mitunter die Augen rot. Was ist was, und was kann man dagegen tun?

Rote, juckende, tränende, verschmierte oder verklebte Augen: Wenn „etwas ins Aug' geht“, ist das meist eine schmerzhafte und unangenehme Angelegenheit. Bindehautentzündungen, Gerstenkörner, allergische Reaktionen oder Lidrandentzündungen gehören zu den Erkrankungen des Auges, die vor allem eines gemeinsam haben: Sie stören. Und: Ein Arztbesuch ist fällig. „Wer nicht weiß, warum das Auge rot ist, sollte unbedingt zum Augenarzt gehen“, betont Augenärztin Ingrid Boldin, von der Universitäts-Augenklinik in Graz.

Denn ein rotes Auge gleicht nicht unbedingt dem anderen. „Es sollte in jedem Fall abgeklärt werden, warum das Auge entzündet ist“, sagt Augenarzt Michael Amon, Primar der Augenklinik bei den Barmherzigen Brüdern in Wien. „Denn je nachdem um welche Art der Entzündung es sich handelt, ist eine andere Therapie erforderlich.“ Und auch wenn es eine Reihe von unterschiedlichen Bindehautentzündungen gibt, so „ist nicht jedes rote Auge gleich eine Bindehautentzündung“, erklärt Boldin. Bei der Bindehautentzündung wird generell zwischen viral und bakteriell unterschieden.

Das Virus im Auge. „Eine virale Bindehautentzündung ist sehr ansteckend und sehr lästig“, sagt Amon über Bindehautentzündungen, die durch Viren verursacht werden. „Diese Entzündung wird meist wie eine Erkältung durch Adenoviren übertragen.“ Um im gemeinsamen Haushalt niemanden anzustecken, wird in diesem Falle immer das „eigene Handtuch“ empfohlen, damit die Viren nicht ihren Weg in die Augen von Mama, Papa oder Geschwister finden. Die gute Nachricht, wenn es sich um eine virale Bindehautentzündung handelt, ist die, „dass die Patienten danach meistens resistent sind“, erklärt Amon. Der Körper bildet Antikörper, und wenn es das Virus erneut versuchen sollte, wird es vom Immunsystem abgewehrt. Vermehrt tritt die virale Bindehautentzündung jetzt im Herbst und auch im Winter auf, „in der klassischen Erkältungs- und Grippezeit“, sagt Amon. Und ja, auch Coronaviren können eine Bindehautentzündung auslösen.

Ist das Auge entzündet und sondert ein Sekret ab, dann handelt es sich mitunter um eine bakterielle Bindehautentzündung. Also Bakterien, die ins Auge gelangen und dort ihr Unwesen treiben. In diesem Falle werden in der Regel antibiotische Augentropfen verschrieben. Heikel kann die Sache mit den Bakterien bei Kontaktlinsenträgern werden. „Wenn ein Kontaktlinsenträger gerötete Augen hat, sollte er ehestmöglich zum Augenarzt gehen“, warnt Boldin. Denn wenn sich ein Bakterium etwa zwischen Kontaktlinse und Hornhaut breitmacht, kann sich das zu einer Hornhautentzündung weiterentwickeln. Das ist nicht erstrebenswert, zumal eine solche Entzündung zu bleibenden Sehschäden führen kann.

Allergie als Auslöser. Rote und entzundene Augen sind oft auch allergische Reaktionen. „Gerade im Frühjahr gibt es oft – und vermehrt auch bei Kindern – durch Pollen ausgelöste Entzündungen“, berichtet Amon. „Wenn man um die Allergie weiß, dann sind oft Antihistaminika die richtige Therapie“, sagt der Experte.

Allerdings gilt laut Boldin auch hier: „Nicht alles, das nach allergischer Reaktion aussieht, muss auch eine sein. Es können auch andere Krankheiten oder Ursachen dahinterstecken. Psychologische Ursachen, Wind, trockene Luft oder lange Arbeit vor dem Computer können ein ,trockenes Auge‘ verstärken“, erklärt Amon. Die sogenannte Konjunktivitis sicca, das „trockene Auge“, ist ein Krankheitsbild, bei der es zu einem Mangel an Tränenflüssigkeit kommt. „Der Tränenfilm ist eine hoch komplexe Mischung“, weiß Amon. Er besteht aus einem Fettanteil, einem wässrigen, sowie einem schleimigen Anteil. Wird das Auge trocken – so liegt es meist daran, dass einer dieser Anteile nicht ausreichend produziert wird. Bindehaut und Hornhaut werden vom Tränenfilm bedeckt, ist dieser Tränenfilm nicht richtig zusammengesetzt, kommt es zum trockenen Auge, beziehungsweise einer Irritation. Wenn es keine vollständigen Lidschlüsse gibt, also wenn das Augenlid von oben nicht ganz am unteren Lidrand ankommt, kann es zu trockenen und roten Augen kommen, berichtet Boldin. Denn: „Der Tränen- und Fettfilm wird vom unteren Lidrand hinaufgezogen, damit es allerdings dazu kommt, muss das Auge auch vollständig geschlossen sein.“ Sprich, die beiden Lidränder müssen einander zuvor berühren.

Closeup view of young woman applying eye drop, artificial tears.
Antibiotische Augentropfen wirken gegen bakterielle Bindehautentzündung. Bei trockenem Auge helfen Tränenersatzlösungen.(c) Getty Images/iStockphoto (eternalcreative)



„Trockene Augen können aber auch aufgrund von Systemerkrankungen auftreten“, sagt Boldin. Rheuma, Hormonänderungen, Depressionen und Bluthochdruck sind nur einige Krankheiten, in deren Verlauf es auch zu trockenen Augen kommen kann. „Das ist meist sehr lästig und verursacht einen hohen Leidensdruck“, führt Amon aus. Ein typisches Symptom ist ein Fremdkörpergefühl im Auge. Augentropfen oder Sprays mit künstlicher Tränenflüssigkeit können Linderung bringen.

Aber nicht nur Viren, Bakterien oder andere Erkrankungen lassen einen „rot sehen“. „Auch zu viel UV-Belastung, der Klassiker hierbei ist eine Gletscherwanderung ohne Sonnenbrille, verursacht Hornhaut- und Bindehautentzündungen“, warnt Amon.

Korn im Auge. Ebenfalls lästig und leider auch sehr häufig, ist ein sogenanntes „Gerstenkorn“ im Auge. Dabei kommt es zu einer Verstopfung der Meibomschen Drüsen. „Die Meibomschen Drüsen verteilen sich sowohl im Unter- als auch im Oberlid, wo ihr Ausführungsgang endet. Rund 30 solche Ausgänge gibt es pro Lid, in Summe haben die Augen um die 120 solche Meibomsche Drüsen“, erklärt Amon. Diese Drüsen produzieren den fettigen Anteil des Tränenfilms. „Wenn ein solcher Ausgang verstopft ist, so kommt es zu einer Stauung des Sekrets. Dieser Sekretstau wird dann zu einem Gerstenkorn. Das Auge entzündet sich, schwillt an, Rötung und Schmerzen sind die Folgen“, berichtet der Experte. Meist haben Betroffene ein Gerstenkorn im inneren, unteren Lidrand, „es können aber auch einmal zwei oder mehrere sein“, führt Amon aus. „Wenn im akuten Stadium das Gerstenkorn dann aufgeht und der Eiter abrinnt, dann löst sich das Problem in Wohlgefallen auf.“

Ärgerlicher und langwieriger wird die Sache, wenn sich das Gerstenkorn nicht auflöst. „Ich persönlich empfehle immer Hitze und Wärme“, sagt Amon. Mehrmals täglich heiße Wattebausche auflegen und Lidrandreinigung mit warmem Wasser, könne dazu beitragen, dass das Gerstenkorn wieder verschwindet. „Auf keinen Fall sollte man am Auge herumdrücken oder auf die Idee kommen, es ausdrücken zu wollen“, warnt der Arzt. Denn wenn sich das Sekret unkontrolliert im Lidbereich verteilt, so kann das gefährlich werden und zu ungewollten Folgeschäden führen.

Roter Lidrand. Auch bei Lidrandentzündungen spielen die Meibomschen Drüsen eine Rolle. „Akute Entzündungen sind meist bakteriell verursacht und es kommt zur Rötung, einem Pochen und Schmerzen“, sagt Boldin. Wenn der Lidrand chronisch entzündet ist, kommt es zu einem Sekretrückstau bei den Meibomschen Drüsen. „Generell verändern sich diese Drüsen im Laufe des Lebens“, erklärt Boldin, so können die Drüsen im Alter mitunter sogar weniger werden. Bei Lidrandproblemen empfiehlt die Expertin: „Man sollte Lidrandreinigung praktizieren, wie das tägliche Zähneputzen. Denn wird der Lidrand regelmäßig gereinigt, dann können sich die Drüsen besser entleeren, und das Risiko einer Entzündung oder eines Sekretstaus wird verringert.“ Bei eingedicktem Sekret empfiehlt Boldin „zunächst rund zehn Minuten Wärme, danach eine Massage“, auch gibt es mittlerweile Gelmasken zum Auflegen oder eigene Wattepads, zum einmaligen Gebrauch. Wärmeflaschen steht sie skeptisch gegenüber: „Die sind meist nicht steril genug.“

Und wieder: Händewaschen. Eine Weisheit – mittlerweile längst bekannt – sei der Vollständigkeit halber noch erwähnt: Händewaschen hilft. Sich mit ungewaschenen Händen in die Augen zu greifen, ist schlecht. Erst recht, wenn das Auge bereits juckt: Hände waschen vor dem Kratzen, Rubbeln, Reiben – wenn es denn überhaupt sein muss. Am besten ist es ohnedies, sich von den Experten (Augenärzten) tief in die Augen schauen zu lassen und dann zu handeln. Wenn abgeklärt ist, warum man Rot sieht.

Gesundheitsinfo und Tipp

Lexikon
Konjunctivitis (Bindehautentzündung) & Co.:

Blepharitis: chronische Lidrandentzündung
Chalazion: Hagelkorn
Konjunktivitis allergica: allergische Bindehautentzündung
Hordeolum: Gerstenkorn
Keratoconjunctivitis epidemica: virale Bindehautentzündung
Keratoconjunctivitis sicca: trockenes Auge
Purulente Konjunktivitis: Bindehautentzündung durch Bakterien

Lidrandpflege
„Möglichst keinen Kajalstrich am inneren Lid auftragen“, empfiehlt Augenärztin Ingrid Boldin von der Universitäts-Augenklinik in Graz, um potenziellen Lidrandentzündungen oder Gerstenkörnern gleich weniger Angriffsfläche zu bieten. Und sie plädiert bei Problemen für eine tägliche Lidrandpflege „wie das tägliche Zähneputzen“, mit dafür entwickelten Pflegeprodukten.