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Streamingtipps

Geschichten aus den Schwingstaaten

Pennsylvania, Michigan, Wisconsin: Die US-Bundesstaaten am „Rust Belt“ sind – und waren – entscheidend in der laufenden US-Präsidentschaftswahl. Fünf Filme und Serien gewähren Einblick in ihre Gesellschaft.

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Out of the Furnace

Von Scott Cooper, 2013
Zu sehen auf Netflix

Lange nannte man sie „swing states“, inzwischen hat die gleichfalls geläufige Bezeichnung „battleground states“ Konjunktur: Der martialische Unterton scheint in Zeiten der Spaltung besser zu passen. Es geht um jene US-Bundesstaaten, die Demokraten wie Republikanern potenzielle Gewinne bescheren können – und daher im Präsidentschaftsrennen besonders hart umkämpft sind. Eines dieser „Schlachtfelder“ ist der Gründerstaat Pennsylvania im Süden von New York. Auch heuer zählt er zu den Zünglein an der Waage, die Stimmauszählung bleibt bis zuletzt spannend. 2016 ging der Sieg an Trump. Das war keine Selbstverständlichkeit. Pennsylvania ist teil der sogenannten „Blue Wall“, einer Reihe von Staaten, die seit den 1990ern relativ konsistent Demokraten kürten. Nicht nur in Pennsylvania lag das an altgedienten politischen Traditionen der Arbeiterklasse. Trumps Triumph verdankte sich auch enttäuschten Brüchen mit diesen Traditionen.

Scott Coopers Thriller „Out of the Furnace“, vorwiegend im Stahlbezirk North Braddock gedreht, fasst diese Enttäuschung in einer düsteren Racheballade voller Wut und Rostgürtelromantik. Christian Bale, Casey Affleck und Woody Harrelson sahen selten so gebeutelt aus wie hier.

Flint Town

Serie, eine Staffel à acht Folgen, 2018
Zu sehen auf Netflix

Kaum eine Stadt steht in den USA so sehr für Staatsversagen wie Flint, Michigan. Berüchtigt ist die Bleikontamination der Trinkwasserversorgung, die 2016 einen Ausnahmezustand herbeiführte. Auch Flints berühmter Sohn Michael Moore beschäftigte sich in seinen Dokumentarpamphleten immer wieder mit den Problemen seines Herkunftsortes. Einen Film über die dortige Polizei hätte er wohl nie gedreht. Dabei böte sie durchaus ergiebiges Material, wie die Dokuserie „Flint Town“ bezeugt. Über acht Episoden lang folgt sie Einzelbeamten und Einheiten im Alltag, fokussiert aber weniger auf die Feldarbeit als auf deren Auswirkungen auf den Zusammenhalt der städtischen Community. Und bleibt ambivalent.

Unstoppable – Außer Kontrolle

Von Tony Scott, 2010
Zu sehen auf Amazon

Ein Plot wie aus den 1990ern: Ein Zug voller explosiver Chemikalien kommt versehentlich ins Rollen – und steuert unaufhaltsam auf eine gefährliche Totalkarambolage zu. Zwei tollkühne Helden müssen der Todesmaschine um jeden Preis Einhalt gebieten. Nur sind sie keine Superagenten, sondern Lokführer (gespielt von Denzel Washington und Chris Pine). Die Stars geben gewieftes Bodenpersonal, Tony Scotts Inszenierung ist rasant in jeder Hinsicht, Zug und Landschaft analog – gedreht wurde in westlichen Städten Pennsylvanias. Und hinter all der halsbrecherischen Action geht es auch um Kritik an der Vernachlässigung „kleiner Leute“ durch inkompetente Verantwortungsträger: Ein Plot wie aus den 1930ern.

Father Soldier Son

Von C. Einhorn und L. Davis, 2020
Zu sehen auf Netflix

Brian Eisch will bleiben, wie er ist. Der aufgeweckte Vater möchte nicht zu den Soldaten gehören, die nach dem Einsatz plötzlich wie verwandelt sind und aus Frust ihre Kinder anschnauzen. Doch dem Krieg ist das egal. Er nimmt Brian ein Bein. Und damit seine Identität: Als Mann, als Macher, als Kämpfer. Mit Schmerzen gewahren wir seine körperliche Transformation und wachsende Depression. Und sehen, wie auch seine Söhne darunter leiden, eingeklemmt zwischen Schock und Kompensationsdruck. Auch sie zieht es zur Armee. Die Doku „Father Soldier Son“ fragt, warum. Und zeichnet das berührende Porträt einer Patchworkfamilie aus Wisconsin, die selbst in finstersten Stunden zusammenhält.

It Follows

Von David Robert Mitchell, 2014
Zu sehen auf Amazon

Wenn das Horrorkino nicht gerade in existenziellen Abgründen wühlt, handelt es fast immer von Ängsten, die mit der Gesellschaft zu tun haben. Also auch von derart prosaischen Dingen wie Rezession und Strukturwandel – indirekt, versteht sich, aber doch. Ein Musterbeispiel, dessen Subtext ausdrücklich ist, bildet John Carpenters Stephen-King-Adaption „Christine“ (1983, Netflix) über die Obsession eines Teenagers mit einem dämonischen Vintage-Vehikel. Das Killerauto macht Jagd auf sein Umfeld. Und steht vielleicht auch für den Wirtschaftsabschwung, der den Filmschauplatz Detroit in den Achtzigern erfasste.

Nun gilt die Stadt in Michigan vielen als Exempel des industriellen Scheiterns, eine Ruine des 20. Jahrhunderts. Die Aura der Aussichtslosigkeit, die damit einhergeht, beseelt David Robert Mitchells atmosphärischen Grusel „It Follows“ (der ästhetisch stark unter Carpenters Einfluss steht). Detroiter Jugendliche werden hier von einem gespenstischen Wesen verfolgt. Entkommen gibt es nur durch sexuelle Übertragung seines Fluchs. Doch man wird das Gefühl nicht los, dass es die leeren Fabriken der Stadt sind, die hier ihre bösen Geister in die noch unberührten Suburbs entsenden.

 

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