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Der Raum als „Pädagoge“: Montessori-Kindergarten, Goethehof, 1930er.
Der Raum als „Pädagoge“: Montessori-Kindergarten, Goethehof, 1930er.Hedwig Schwarz
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Wien: eine „Hauptstadt des Kindes“? Ja, so hieß es einmal, damals, Anfang der 1930er, als im Goethehof zu Kaisermühlen ein erster Montessori-Kindergarten eingerichtet wurde. Über Anfang und Ende einer pädagogischen Blütezeit.

„Im Bretteldorf war es ein Glück, wenn du was zum Essen gehabt hast“, erzählt Hannelore Sigmund. An der Donau in Kaisermühlen erstreckte sich vor 100 Jahren eine Siedlung verarmter Kleinhäusler, Tagelöhner und prekärer Arbeiter. Aus dem Jahr 1925 wird berichtet, dass das Bretteldorf 250 Wohnhäuser, 100 Pferde, 200 Kühe und 2000 Schweine umfasste. „Die Häuser waren notdürftig zusammengenagelt, und da haben natürlich die ärmsten Leute gewohnt“, erinnert sich Ferdinand Raschl. Nach dem Krieg stieg die Wohnungsnot an, Nahrungsmittelknappheit und Arbeitslosigkeit bestimmten das Leben in der Siedlung. Hochwasser haben das Areal immer wieder überflutet. „Wenn Hochwasser war und das zurückgegangen ist, sind im Bretteldorf die alten Gitterbetteinsätze, die mit Federn, genommen worden, und das Wasser ist damit durchstreift worden, da haben wir viele Fische gehabt im Wasser“, erzählt Georg Kundera, der so Fische für das Abendessen gefangen hat.

Hannelore, Ferdinand und Georg sind als Kinder im Goethehof aufgewachsen. Zwischen der Schüttaustraße und dem Kaiserwasser entstand 1930 einer der größten Gemeindebauten Wiens. Viele fanden Arbeit beim Bau, viele zogen aus dem notdürftigen Bretteldorf erstmals in eine „richtige“ Wohnung. Im Innenhof befand sich ein heute beinahe vergessenes Schmuckstück: ein Kindergarten. Und zwar ein ganz besonderer. Er war von dem Gedanken geleitet, benachteiligten Kindern nicht „das Letzte“ sondern „das Beste“ an Pädagogik und auch an Innenarchitektur zuzugestehen.

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