Wie viel die heimische Industrie produziert, können die Ökonomen am schnellsten daran ablesen, wie viele Lkw auf Österreichs Straßen unterwegs sind.
Prognosen

Die ökonomische Vermessung der Corona-Krise

Diesmal erklären Ökonomen schon zu Beginn des Lockdowns, wie tief der Fall wird. Sie haben gelernt, die Zukunft aus Stromverbrauch, Lkw-Fahrten und Bewegungsdaten abzulesen.

Lang hat es nicht gedauert. Am Dienstag vergangener Woche mussten viele Unternehmen im Land die Arbeit einstellen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Und am Donnerstag wollten die Konjunkturforscher bereits erahnen, wie stark dieser zweite Lockdown die heimische Wirtschaft heuer schwächen wird. Die Sperre der Hotels, Theater, Sporthallen und Lokale, die Absage der Veranstaltungen, die Ausgangsbeschränkungen und Reisewarnungen würden das Bruttoinlandsprodukt um 7,7 Prozent nach unten drücken, vermeldete das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo). Das ist fast ein Prozentpunkt mehr, als noch im Oktober erwartet wurde.

Die Korrektur kam rasch, denn ein Szenario wie im Frühjahr wollten die Wissenschaftler jedenfalls verhindern. Der erzwungene Stillstand der Volkswirtschaft im März hatte sie kalt erwischt. Als die Regierung den ersten Lockdown ausrief, hatten die Ökonomen noch stabile Wachstumsraten auf der Rechnung. Dass 2020 die schwerste Rezession seit dem zweiten Weltkrieg folgen würde, hatte niemand geahnt. Und für eine rasche Einschätzung der Lage fehlten schlichtweg die Daten. Offizielle Informationen über die Produktionsleistung der heimischen Industrie kommen mit 55 Tagen Verzögerung an. Statistiken über das Kaufverhalten der Österreicher lassen ebenso Monate auf sich warten. „Das ist in so einer Situation viel zu spät“, erinnert sich Wifo-Ökonom Josef Baumgartner. „Bis Ende April sind wir mit der Lawine mitgefahren und sollten gleichzeitig einschätzen, wie lang und breit die Lawine eigentlich ist.“

Bewegungsdaten von Google

Weltweit machten sich Volkswirte auf die Suche nach Echtzeitdaten, die Regierungen und Firmen rascher Eindruck geben könnten, wie tief der wirtschaftliche Fall werde. Im ersten Reflex griffen viele auf Börsedaten und den Stromverbrauch zurück. Doch beide Datensätze bringen Probleme mit sich: Aktienkurse überzeichnen Trends gern, der Strombedarf schwankt extrem mit der Temperatur.

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