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Kommentar

Wie wienerisch bleibt das Volkstheater?

Das Volkstheater ist frisch renoviert. Auch sonst tut sich einiges.
Das Volkstheater ist frisch renoviert. Auch sonst tut sich einiges.APA/HERBERT PFARRHOFER
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Dass Kay Voges so gut wie das gesamte Ensemble ausgetauscht hat, verheißt nichts Gutes.

Eine Thomas-Bernhard-Inszenierung aus Dortmund als erste große Premiere im neuen Wiener Volkstheater: Als geprüfter Wiener Kulturpessimist darf man sich daran erinnern, wie 2014 ein frisch aus Stuttgart gekommener Intendant der Wiener Kunsthalle versuchte, den Österreichern Thomas Bernhard als Diskurs-Guru zu erklären . . .

Nein, der neue Volkstheaterdirektor wird sich mit seinem „Theatermacher“ wohl nicht so blamieren wie einst Nicolaus Schafhausen mit seinem Bernhard-Festival in der Kunsthalle, und man kann es auch als freundliche Geste sehen, dass er mit Bernhard – und, origineller, mit Ernst Jandl – beginnt. Weniger freundlich ist, dass Kay Voges so gut wie das gesamte Ensemble ausgetauscht hat. Das ist besonders schade, da sich dieses trotz der unglücklichen Führung von Voges' Vorgängerin in den letzten Jahren konsolidiert hat – und so etwas wie einer neuen wienerischen Volkstheaterkultur zumindest nahe gekommen ist.

Dass, nur zwei Beispiele, ein subtiler Komödiant wie Sebastian Pass, dass eine höchst originelle Charakterdarstellerin wie Katharina Klar gehen musste, ist ein Jammer. Diesen Kahlschlag gleicht Voges vor allem mit Schauspielern aus seinem Dortmunder Ensemble und anderen deutschen Theatern aus. Das wird den spezifisch wienerischen Tonfall, für den das Volkstheater einst berühmt war, endgültig zum Verschwinden bringen; wie man Nestroy, Raimund oder auch Turrini mit einem solchen Ensemble spielen soll, ist schwer vorstellbar.