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Ostafrika

Äthiopien vor Bürgerkrieg: Regierungstruppen nehmen Flughafen ein

ETHIOPIA-UNREST
Milizkämpfer der Amhara auf dem Weg in die Tigray-RegionAPA/AFP/EDUARDO SOTERAS
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Wegen der Eskalation wachsen auch Befürchtungen, dass nicht nur Äthiopien mit seinen 110 Millionen Bewohnern, sondern die gesamte Region am Horn von Afrika destabilisiert werden könnte.

Im drohenden Bürgerkrieg in Äthiopien haben Regierungstruppen einen strategisch wichtigen Flughafen eingenommen: Die Truppen kontrollierten nunmehr den Airport in Humera im äußersten Nordosten des Landes an den Grenzen zum Sudan und zu Eritrea, berichtete der staatsnahe Fernsehsender Fana TV am Dienstag. In der Region Tigray liefern sich Regierungstruppen einen Konflikt mit der dort regierenden Tigray-Volksbefreiungsfront (TPLF).

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Wegen der Eskalation wachsen auch Befürchtungen, dass nicht nur Äthiopien mit seinen 110 Millionen Bewohnern, sondern die gesamte Region am Horn von Afrika destabilisiert werden könnte.

Kritik aus diplomatischen Kreisen an Premier

Ministerpräsident Abiy Ahmed ließ Vorwürfe zurückweisen, er nehme internationale Appelle zur Zurückhaltung in dem Konflikt nicht ernst. Seine Sprecherin erklärte, Abiy habe die Stellungnahmen zur Kenntnis genommen und sei dankbar für die geäußerten Sorgen über die Zukunft des Landes. "Nichtsdestotrotz ist Äthiopien eine souveräne Nation, und die Regierung wird letztlich Entscheidungen im langfristigen Interesse des Landes und seiner Bevölkerung treffen", schrieb Sprecherin Billene Seyoum in einer E-Mail. Sie reagierte damit auf Anfrage auf Vorwürfe aus diplomatischen Kreisen, wonach Abiy in dem Konflikt "auf niemanden hört".

Die Presse/GK

Der Konflikt war vergangene Woche wieder ausgebrochen, Hunderte Menschen sind bereits ums Leben gekommen. Befürchtungen, das Land könne ins Chaos stürzen, wies der Ministerpräsident erst am Montag zurück. Die Vereinten Nationen warnen allerdings vor einer Flüchtlingskrise. Angesichts des herrschenden Ausnahmezustands sei die Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern in Tigray nicht mehr gesichert, hatte es am Wochenende geheißen. In der Region herrscht eine ethnische Gruppe, die das gesamte Land über Jahrzehnte geführt hatte. Abiy ist seit April 2018 Ministerpräsident Äthiopiens.

Der von ihm gebildeten Einheitsregierung trat die TPLF seinerzeit nicht bei. Die Spannungen nehmen seit September zu, als in Tigray gewählt wurde, was die Zentralregierung als illegal bezeichnete. Seitdem werfen sich beide Seiten vor, einen militärischen Konflikt heraufzubeschwören. Abiy wurde für seine Bemühungen um eine Aussöhnung mit dem benachbarten Eritrea 2019 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Er hat Äthiopien zudem wirtschaftlich und politisch geöffnet, die ethnischen Unruhen aber nicht in den Griff bekommen.

(APA/Reuters)