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Sonderpreis Inklusion:

Nachdenken macht sich bezahlt

Geschäftsführer Christian Juranek (obere Reihe, 2. v. l.) mit seinem Team vom Haus St. Josef am Inn.(C) Haus St. Josef am Inn
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Der Sonderpreis für herausragende Leistungen bei der Integration von Menschen mit Behinderung ins Berufsleben geht an die Haus St. Josef am Inn GmbH in Innsbruck.

Vorbildhaft gelebte Inklusion“ – dieser Satz aus der Begründung der ALC-Expertenjury sagt viel, aber noch nicht alles über die Arbeit im Innsbrucker Senioren- und Pflegeheim Haus St. Josef am Inn. Dass die Integration von Menschen mit Behinderung im Unternehmen derart wichtig ist, ist nicht zuletzt auf die Person des Geschäftsführers Christian Juranek zurückzuführen. Schon in seiner Jugend hat er sich mit der Integration von Menschen mit Behinderung auseinandergesetzt. „Mag sein, dass mein Engagement auch ein bisserl mit meinem Studium in Verbindung steht. Ich bin von meiner Ausbildung her kein Wirtschafter, wie man es in meiner Position erwarten würde, sondern Theologe und Psychologe, also ein Humanwissenschaftler“, sagt Juranek.

Seit 2002 betreibt die Haus St. Josef am Inn GmbH, wie die Betreibergesellschaft offiziell heißt, eine eigens geschaffene Lehr- und Lernwäscherei, in der aktuell drei Menschen mit Behinderung ausgebildet werden. Vier Jahre lang erhalten die Auszubildenden in der Wäscherei das notwendige Rüstzeug, um später auch in anderen Firmen zu arbeiten. „Leider hat sich in der Vergangenheit herausgestellt, dass der Wechsel manchmal gar nicht so einfach ist“, erzählt Juranek: „Deshalb wollen wir das System umstellen und die Mitarbeiter dauerhaft bei uns beschäftigen.“

Nicht zuletzt aus diesem Grund ist in Zusammenarbeit mit der Pfarrgemeinde die Errichtung eines eigenen Wohnhauses in der Nähe des Senioren- und Pflegeheimes geplant. „Die soziale Integration würde noch besser funktionieren, und die behinderten Mitarbeiter hätten dann die Möglichkeit, auch in ihrer Freizeit die Einrichtungen unseres Hauses, wie zum Beispiel die Betriebsküche, zu nutzen.“

 

Arbeitsabläufe umgestellt

Das Unternehmen beschäftigt noch drei weitere Menschen mit Behinderung, zwei im Pflegebereich, einer ist im Team der Hausmeister integriert. Im Pflegebereich sorgt eine diplomierte Krankenschwester, die aufgrund ihrer „Probleme mit dem Kreuz“ nicht mehr in einem Krankenhaus arbeiten konnte, für die zentrale Verteilung der Medikamente. „Vorher haben das die Stationsleiter gemacht. Wir haben die Arbeitsabläufe umgestellt, wodurch die Stationsleiter mehr Zeit für ihre Klienten haben. Eine Win-Win-Situation, weil Diplomkrankenschwestern nur sehr schwer zu bekommen sind“, erzählt Juranek. Dazu kommt, dass die Kosten der Mitarbeiterin aufgrund ihres Behinderungsgrades bzw. der Überschreitung der Quote zum Teil durch Förderungen abgedeckt werden. „Um einen weiteren Teil der Kosten hereinzuspielen, haben wir eine eigene Ausschreibung unter den Apotheken gemacht“, erzählt der Geschäftsführer.

Eine Möglichkeit auch für andere Unternehmen? Ja, meint Juranek: „Anstatt sich mit Ausgleichszahlungen auszukaufen, ist es allemal besser, sich mit Finanzierungsmöglichkeiten auseinanderzusetzen und diese zu nutzen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2020)