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Wintertourismus

Vorbereitung fürs Ungewisse

Hotel-Rasmushof-Chefin Signe Reisch (r.) und Seilbahner Markus Walser aus Ischgl (l.).(c) M. Werlberger/ Silvrettaseilbahn AG
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Noch weiß keiner, wie heuer Wintertourismus stattfindet. Die Tiroler Touristiker rüsten sich aber, falls die Saison vor Weihnachten beginnen kann. Wenn nicht, schaut es düster aus für Hotels und Seilbahnen.

Ob und wie Wintertourismus heuer stattfindet, ist noch ein Blick in die Glaskugel. Diese Anspannung zieht den Touristikern den letzten Nerv. Dennoch vermitteln sie vorsichtigen Optimismus.

„Das Planen ist schwierig, weil alles so kurzfristig kommt“, sagt Signe Reisch, die Chefin vom Hotel Rasmushof in Kitzbühel. „Das ist unverantwortlich. Die plötzliche Schließung hat uns alle kalt erwischt.“ Auch kritisiert die Grande Dame des Tiroler Nobelskiorts, dass dadurch große Unsicherheit entstanden sei. Das aktuelle Buchungsverhalten beschreibt Reisch als „schwierig und sehr verhalten – selbst bei den Stammgästen“. Die hausinterne Planung sei derzeit auf maximal 14 Tage ausgerichtet.

Der Rasmushof hat jetzt im Lockdown als einziges Haus in Kitzbühel offen, weil Nachfrage von Geschäftsreisenden besteht. „Aber das ist alles andere als kostendeckend“, sagt Reisch. „Wir machen das in Eigenregie, weil wir Beherberger sind, und haben das mit unseren Mitarbeitern abgesprochen.“ Alle Mitarbeiter im Rasmushof werden seit Beginn der Pandemie jeden Mittwoch getestet. „Wir kommunizieren das auch.“

Reisch hofft, dass die Tourismusbetriebe so schnell wie möglich wieder aufsperren dürfen. „Denn es braucht zehn bis 14 Tage Anlaufzeit, bis wieder das Vertrauen da ist.“ Noch ist für Orte wie Kitzbühel für den Winter nicht viel verloren, weil das Geschäft mit Dezember beginnt. „Für die Gletscherskigebiete ist der Schaden aber enorm.“ Ans Skifahren will Signe Reisch weiter glauben: „Wir haben drinnen und draußen hohe Hygiene-Standards. Für Skifahren ist in der frischen Luft und in den Bergen genug Platz.“

Wenn nach dem Lockdown aufgesperrt werden kann und es gut geht, rechnet Reisch, „dass wir 20 Prozent Minus haben werden“. Und wenn der Winter nicht gerettet wird? „Besser man denkt nicht daran, denn bitterer geht es nicht.“

 

Karl Schranz zuversichtlich

Auch Tirols Skilegende Karl Schranz hofft, „dass wir die Wintersaison machen können“. Sein Hotel Karl Schranz in St. Anton am Arlberg ist vorbereitet: „Wir wären gut besetzt.“ Jetzt wartet er wie alle anderen auch, ob sie aufmachen dürfen, und darauf, wann das Skigebiet öffnet. Den Lockdown hält Schranz für früh genug, denn jetzt habe man einen Monat Zeit, dass die Infektionszahlen runter gehen. Ob die Wintersaison heuer gerettet werden kann, hänge auch davon ab, ob die Amerikaner und Briten kommen. „Wenn sie können, kommen sie“, ist Schranz zuversichtlich. „Aber wir haben auch viele Österreicher im Hotel.“ Maske und Skifahren, Abstände bei den Liften, geht das? „Wenn ordentlich gearbeitet wird, geht das auch mit Maske“, betont Schranz.

Dass der Wintertourismus stattfinden kann, davon ist der Vorstand der Silvrettaseilbahn AG, Markus Walser, überzeugt: „Der Tourismus ist nicht der große Treiber der Fallzahlen. Und wir haben im Sommer bewiesen, dass es funktionieren kann.“ Auch habe man sich für die Wintersaison gut vorbereitet mit einem umfangreichen „Gesundheitsmaßnahmenpaket“.

Die geplante Eröffnung der Seilbahnen am 26. November wurde um vier Wochen nach hinten verschoben. Bis 30. November gibt es mit dem Lockdown noch ein Benutzungsverbot für die Seilbahnen. „Weil es noch so viele Fragezeichen gibt und Walser nicht glaubt, dass durch die aktuell hohen Fallzahlen die Restriktionen gleich mit Anfang Dezember aufgehoben werden, soll es in Ischgl erst am 17. Dezember mit der Skisaison losgehen. „So wir aufsperren dürfen“, sagt der Seilbahner. „Außerdem kann man den Tourismusort nicht in zwei, drei Tagen hochfahren. In Ischgl gibt es laut Walser 3800 Beschäftigte in der Tourismuswirtschaft. „Davon kommt ein erheblicher Anteil von außerhalb Österreichs.“

Startet die Saison mit Weihnachten, so könne das Ischgl verkraften. „Wie sich die Saison entwickelt, wissen wir aber nicht“, sagt Walser. „Fatal wäre ein Totalausfall“, betont Walser. Die Silvrettaseilbahn ist mit ihren 570 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber im Bezirk Landeck. „Um die Arbeitsplätze abzusichern, wurden im Sommer viele Projekte vorgezogen“, betont Walser. Es wurde bisher noch keine Kurzarbeit angemeldet. „Sollte der Winter aber ausfallen, wären auch wir gezwungen, Kurzarbeit in Anspruch zu nehmen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2020)