Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl
Randerscheinung

Lockdownbewältigungsprogramm

Carolina Frank
  • Drucken
  • Kommentieren

Wie individuell und völlig unterschiedlich es ist, was jemandem in dieser Ausnahmesituation abgeht, zeigt die verhängte Ausgangssperre.

Der Lockdown hat auch bei uns zu Hause tiefgreifende Umwälzungen zur Folge. Der Esstisch wandert nämlich vorübergehend in die Küche, damit dort, wo sonst der Esstisch steht, ab sofort der Tischtennistisch aufgebaut werden kann, weil das draußen ja gerade nicht geht. Der Plan ist natürlich schon, ihn nach Gebrauch immer gleich wieder wegzuräumen, aber schauen wir einmal. Der Tischtennistisch war nämlich neben bewährten Gesellschaftsspielen, schwarzem Tee mit Milch bzw. Grapefruit-Radler am späten Nachmittag und "Grey's Anatomy" am Abend Kernstück des im Frühjahr bewährten Lockdownbewältigungsprogramms. Da die Arztserie fertig geschaut ist (jawohl, alle 16 Staffeln), müssen nun halt die anderen Dinge reichen.

Die großen Buben werden für den November wohl wieder einziehen, weil WG-Zimmer in der Stadt im Vergleich zu vollen Kühlschränken im Speckgürtel viel von ihrem Vorsprung einbüßen, wenn man nach 20 Uhr das Haus nicht mehr verlassen darf. Wie individuell und völlig unterschiedlich es ist, was jemandem in dieser Ausnahmesituation abgeht, zeigt die verhängte Ausgangssperre. Während die Buben am Abend leiden, schränkt es mich und den Hund in unserer Bewegungsfreiheit ein, wenn wir vor sechs das Haus nicht verlassen dürfen. Aber wir müssen eben auch unseren Beitrag leisten. Zu einem Engpass könnte es freilich in dem verfassungsrechtlich gewährleisteten Grundrecht auf Versorgung mit unbeschränktem Breitband-Internet kommen. Und zwar anders als bisher nicht nur am Abend, wenn alle parallel auf Teufel komm raus um die Wette streamen, sondern schon untertags, wenn plötzlich Home-Office, Distance Learning und Zoom-College parallel funktionieren müssen. Gut, dass der Hund noch kein Handy hat.