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Home Delivery

Selbstabholung als Auslaufmodell

Die Covid-19-Pandemie hat dem Geschäft der direkten Hauszustellung einen Schub verliehen. Experten zufolge wird der Trend anhalten.
Die Covid-19-Pandemie hat dem Geschäft der direkten Hauszustellung einen Schub verliehen. Experten zufolge wird der Trend anhalten.(c) Gebr. Weiss
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Der Onlinehandel beschert nicht nur Kurier-, Express- und Paketdienstleistern Rekordvolumina. Das geänderte Konsumverhalten wirkt sich auch auf das Endkundengeschäft anderer Logistiker aus.

Wo Schatten, da auch Licht: Zwar hat die Covid-19-Pandemie den Handel hart getroffen, vielerorts federt aber der E-Commerce die Umsatzverluste im stationären Sektor ab. Zusätzlich existiere ein Lockdown-Effekt, heißt es in der vom Marktforscher branchenradar.com durchgeführten Studie „Handel in Zahlen“: Heimische Onlinehändler gewännen Marktanteile von der internationalen Konkurrenz zurück.

 

Lieferung mit Zusatzservice

Online bestellt werden auch sperrige Güter, und die lassen sich die Konsumenten oft direkt von den Produzenten liefern – neuerdings vermehrt auch auf dem Land, wie Jürgen Schrampf, Geschäftsführer des Logistik-Beratungsunternehmens Econsult, weiß: „Eine auf der Wiener Mariahilfer Straße gekaufte Waschmaschine wurde früher meist innerhalb der Stadt ausgeliefert“, die ländlichen Gegenden hätten aber aufgeholt. „So bestellen Enkelkinder etwa immer öfter für ihre Großeltern, die mit dem Internet nicht so vertraut sind“, sagt der Experte.

Gefragt sind bei Home Delivery Speditionen, die einen Zusatzservice bieten. Schrampf: „Mit der Zwei-Mann-Logistik werden spezielle Fertigkeiten des Personals angeboten, wie zum Beispiel das Anschließen einer Waschmaschine oder die Entsorgung von Altgeräten.“ Diese Entwicklung, gibt er sich überzeugt, werde sich auch nach der Covid-19-Pandemie fortsetzen.

Große Speditionen wie Gebrüder Weiss oder JLC rüsten daher auf und erweitern ihr Angebot. JCL Logistics mit Hauptsitz im schweizerischen Zug etwa führt mittlerweile Lieferungen in der gesamten D-A-CH-Region durch. Die Waren werden direkt bis an den gewünschten Verwendungsort der Endverbraucher im Zwei- bis Vier-Mann-Handling geliefert. „Die Zustellungen erfolgen auf Wunsch auch inklusive Montage, Entsorgung und Altgerätemitnahme“, sagt Andreas Weiss, COO bei JCL Logistics. Umgesetzt wird dieser Zusatzservice durch ausgebildete Fachkräfte. „Unsere Konzepte berücksichtigen bei der Endkundenbelieferung saisonale Schwankungen, Veränderungen im Bestellverhalten oder auch Einflüsse durch Ferienzeiten“, erklärt Weiss. Das ist für Schrampf ein weiteres Argument, warum die Hauszustellung immer beliebter wird: „Die Produzenten und der Handel haben ein Planungsproblem, denn sie wissen nicht, wie sich der E-Commerce entwickeln wird. Es ist für sie schwierig, in eigene Ressourcen wie Lagerkapazitäten zu investieren. Logistikdienstleister sind daher sehr gefragt, um das eigene Angebot leichter skalierbar zu machen.“

Im E-Commerce ist das Streckengeschäft als „Drop-Shipping“ weit verbreitet. Hier übernimmt der Logistiker eine wichtige Funktion für Händler, die Waren von Lieferanten erwerben und an Kunden weiterverkaufen, ohne dabei direkten Kontakt mit der Ware zu haben. Die Mitarbeiter des Logistik-Dienstleisters repräsentieren dabei den Händler beim Kunden. Mit ein Grund für die Händler, sich die Auswahl des richtigen Logistik-Partners genau zu überlegen. Das Vorarlberger Logistikunternehmen Gebrüder Weiss hat auf das Wachstum bei den Endkundenzustellungen bereits reagiert: Im Juli wurde im niederösterreichischen Maria Lanzendorf eine neue Umschlaghalle eröffnet, von der aus Ostösterreich mit sogenannten Bulky Goods wie Möbeln, Kühlschränken oder Waschmaschinen beliefert werden soll. Im ersten Halbjahr 2020 hatte sich die Zahl der ausgelieferten Sendungen um rund 40 Prozent auf 235.000 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erhöht.

 

Trend weist nach oben

„Im Bereich Home Delivery Service steckt noch viel Potenzial. Je mehr Produkte die Konsumenten über den Online-Handel beziehen, umso größer ist der Bedarf an Zustellungen an die privaten Haushalte“, erklärt Jürgen Bauer, Mitglied der Geschäftsleitung bei Gebrüder Weiss. Zu den Kunden im Bereich Home Delivery zählen vor allem Unternehmen aus der Möbel-, Haushalts- und Unterhaltungselektronikbranche – unter anderem der Versandhändler Unito (Universal Versand, Otto und Quelle). Econsult-Chef Schrampf bringt noch weitere Produktgruppen ins Spiel, die vermehrt via Home Delivery zugestellt werden. „Im Ausland ist E-Commerce für die Bereiche Do-it-yourself und Landwirtschaft bereits weit verbreitet. Das wird hierzulande – getrieben durch Corona – auch verstärkt nachgefragt werden.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2020)