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Online-Umfrage

Österreicher füllen ihren Einkaufskorb zunehmends digital

Das Weihnachtsgeschäft wird durch den neuerlichen Lockdown vermutlich verstärkt online stattfinden, zeigt eine Studie.REUTERS
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Die Akzeptanz, die Dinge des täglichen Bedarfs online zu kaufen, steigt. Selbst Lebensmittel und Medikamente werden häufiger als noch 2017 im Netz bestellt. Indes wächst die Skepsis an Facebook, Alexa und Co.

Die Coronakrise hat dem Onlinehandel einen großen Aufschwung gebracht. Sechs von zehn Österreichern kaufen mittlerweile mindestens einmal im Monat im Internet Produkte oder Dienstleistungen, ergab eine am Mittwoch vom Internetwerbeberater Otago präsentierte Online-Umfrage unter 1000 Personen. Die Skepsis, Lebensmittel im Internet zu kaufen, hat in den vergangenen Jahren abgenommen. Hingegen steigt sie unter den Österreichern gegenüber Sozialen Netzwerken und smarten Lautsprechern wie Amazons Alexa und Apples Siri.

Gar 74 Prozent glauben, dass Amazons Alexa oder Apples Siri sie - unerlaubterweise - abhören, 69 Prozent denken das über Smart-Home-Anwendungen und mehr als zwei Drittel meinen, dass Facebook mitlauscht. Sechs von zehn misstrauen diesbezüglich Online-Meetingplattformen, vier von zehn auch Spielkonsolen. Das Vertrauen in diese Assistenten wurde im Vorjahr erschüttert als bekannt wurde, dass die Sprachaufnahmen und auch jene, die nicht aktiv gestartet wurden, von Mitarbeitern angehört und niedergeschrieben werden.

Zur Verbesserung des Dienstes und weit weniger als man glauben möchte, hieß es aus den jeweiligen PR-Abteilungen. Sie gelobten Besserung und änderten auch die Privatsphäre-Bestimmungen. Verziehen haben das offenbar die österreichischen Kunden noch nicht.

Kritik an Facebook kommt bei der Studienpräsentation auch von Markus Inzinger. Der Gründer und Geschäftsführer von Otago sei sich bei Facebook "relativ sicher", dass es mithöre. Er habe unlängst mit einem Mitarbeiter über eine Automarke gesprochen und just am darauffolgenden Tag eine Werbung genau dieser Marke bekommen - obwohl er nicht auf der Website des Autoherstellers gewesen sei. Es sei naheliegend, dass Facebook gelauscht und die Daten für Werbezwecke verwendet habe.

Kein neuer Vorwurf. Selbst bei einer Anhörung vor dem US-Kongress musste sich Facebook diesem Vorwurf stellen. Der Verdacht: Facebook lauscht mit und aktiviert das Mikrofon, um personalisierte Werbung anzuzeigen. Dem ist nicht so, sagt Mark Zuckerberg und bezeichnete den Vorwurf gar als Verschwörungstheorie.

Online-Shopping erlebt durch Corona Aufschwung

Die Skepsis an solchen Diensten hindert die Österreicher aber nicht, online shoppen zu gehen. Die Coronakrise war ein "Turbo" für den Onlinehandel, so Inzinger. 22 Prozent gaben bei der Umfrage an, während der Pandemie mehr im Web zu shoppen, bei den Unter-30-Jährigen waren es sogar drei von zehn. Gleichzeitig meinten aber 62 Prozent, Corona habe keinen Einfluss auf ihr Kaufverhalten. Die Maskenpflicht ist nur für zehn Prozent ein Grund, online statt im Geschäft zu kaufen.

16 Prozent gaben an, mehr in Geschäften in der Umgebung einzukaufen, die Wiener taten das etwas weniger häufig (11 Prozent). Das Motto "fahr nicht fort, kauf im Ort" habe sich während der Coronakrise verstärkt, sagte Petra Starecek vom Marktforschungsinstitut Integral. Vor allem in kleinen Gemeinden unter 5.000 Einwohnern neigten die Österreicher verstärkt dazu, regional einzukaufen, so Inzinger. Ob der während des ersten Lockdowns entstandene Boom, auch bei kleinen Händlern online zu kaufen, anhalten werde, hänge von den Shopbetreibern ab. Sie müssten es schaffen, aus den Einmalkunden Stammkunden zu machen.

Der neuerliche Lockdown werde den Trend zum Online-Kaufen weiter befeuern, glaubt Inzinger. Stationäre Händler erwarteten heuer kein rosiges Weihnachtsgeschäft. Für Online-Shopper sind jedenfalls Anlässe wie Weihnachten, aber auch der bevorstehende, mittlerweile auch in Österreich etablierte Black Friday oder generell der Ausverkauf Kaufanreize. Insgesamt sind die Österreicher aber beim virtuellen Einkaufen nicht so spontan: 43 Prozent planen ihren Einkauf, nur 11 Prozent lassen sich spontan dazu animieren.

Medikamente werden zunehmends online gekauft

Lebensmittel online zu kaufen, schließen nur noch 28 Prozent der Österreicher für sich aus, 2017 waren es noch 38 Prozent, so Inzinger. Ein Fünftel hat im letzten Jahr Lebensmittel online gekauft. Bei Medikamenten sind die Befragten geteilter Meinung: 29 Prozent kaufen Pillen und Co. bereits im WWW ein. 27 Prozent können sich hingegen nicht vorstellen, diese im Netz zu erstehen - 2017 waren es übrigens weniger, nämlich 20 Prozent. Trotz gestiegener Skepsis waren 2020 Medikamente der Umfrage zufolge schon auf dem sechsten Platz der meistgekauften Produkte im Netz.

Am häufigsten werden nach wie vor Bekleidung, Schuhe und Accessoires online geshoppt, gefolgt von Büchern, Kosmetik- und Pflegeartikeln sowie Haushaltsgeräten und Elektronik. Autos und Pflanzen wollen die Österreicher lieber in einem Geschäft kaufen, auch Online-Finanzberatung ist unbeliebt. Die herrschenden Geschlechterklischees bestätigten sich in der Umfrage: Frauen kaufen online viel öfter Kleidung, Kosmetik, Deko und Medikamente, Männer Elektronik, Computerspiele und Heimwerkerbedarf.

(APA)