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Studie

Investigativ-Journalismus unter Druck

Demonstration netzpolitik org DEU Deutschland Germany Berlin 01 08 2015 Anke Domscheit Berg Pir
Symbolfoto(c) imago/IPON (imago stock&people)
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In Redaktionen wird weltweit gespart, aufwendige Recherchen werden damit seltener. Das zeigt der „Media for Democracy Monitor“.

Geht investigativem Journalismus das Geld aus? International gesehen: ja. „In vielen Ländern trocknen die finanziellen Mittel für investigativen Journalismus zusehends aus“, erklärt die Euromedia Research Group (EMRG). Für ihr Forschungsprojekt „Media for Democracy Monitor“ haben Wissenschaftler aus 18 Ländern die Lage im ersten Halbjahr 2020 beurteilt. Fazit: Redaktionen werden verkleinert, Investigativ-Teams fallen dem Sparstift zum Opfer. „Die Kontroll- und Überwachungsaufgaben des Journalismus leiden, die ,Objekte‘ der journalistischen Recherche können aufatmen.“ Die verbleibenden Journalisten hätten nicht mehr die Zeit für aufwendigere Nachforschungen. Die Covid-19-Krise beschleunige diesen Trend.

Sensibilität in Österreich gestiegen

Österreich kommt relativ gut weg. Heute würden hierzulande im Vergleich zu 2011 sogar mehr Journalisten investigativ arbeiten. „Die Sensibilität in Österreich ist gestiegen. Auch der Stellenwert von investigativer Arbeit“, sagt Projektleiter Josef Trappel von der Uni Salzburg und Co-Leiter der EMRG. Heute seien zum Zweck der Recherche Zusammenschlüsse zwischen Medien möglich, die vor zehn Jahren noch „undenkbar“ waren: „Österreichs Nachrichtenmedien sind da ein Stück vorangekommen.“ Aber auch hier steige mit der Pandemie der Druck.

International sieht man deutliche Unterschiede. Während in Skandinavien und Großbritannien großer Wert auf investigativen Journalismus gelegt wird (in Schweden geben nationale Nachrichtenmedien zehn Prozent ihres Budgets dafür aus), es in den Niederlanden und Flandern sogar staatliche Subventionen dafür gibt, können Medien in Chile sich Investigativ-Recherchen nicht mehr leisten. Sie müssen diese zukaufen oder auf Crowdfunding hoffen. Es zeige sich, „dass investigativer Journalismus ohne finanzielle Absicherung schlicht nicht stattfindet“, resümieren die Studienautoren. Die Medienpolitik müsse Investigativ-Journalismus daher gezielt fördern.