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Gastkommentar

Die Habsburger, die Wiener und der Pragmatismus

Peter Kufner
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Wien hat 2000 Jahre Erfahrung in Integration und Weltoffenheit. Langfristig hatte noch niemand Erfolg damit, die Wiener Lebensart zu ändern.

In vielen Kulturen war es üblich, in Krisensituationen Rat bei den Ahnen zu suchen. Die einen suchen ihn im Gebet zu ihnen, die anderen schlagen in Geschichtsbüchern und Familienchroniken nach, wieder andere lesen einen Roman. Die Morde des Attentäters von Wien sind eine solche Krisensituation. Nicht nur der Opfer wegen, deren Angehörigen unser Mitgefühl gelten muss. Sondern vor allem bezüglich der Frage, wie die Zukunft der westlichen Demokratien aussehen wird, wie sie also mit Ablehnungsbekundungen durch Feuer und Schwert in ihrem Inneren umgehen wollen.

Einer der tragischsten Schriftsteller Österreichs war Joseph Roth. Und Franz Ferdinand Trotta, Großneffe des Helden von Solferino, sein tragischster Romanheld. Während dessen Cousin Carl Joseph v. Trotta bereits in den ersten Tagen des Großen Krieges fällt, stolpert er selbst durch die Wirren des Krieges, die Ehe mit einer lesbischen Frau, den Ständestaat und die Dollfuß-Zeit – bis er am Ende des Romans ultimativen Rat sucht. Denn eben hatten die Nationalsozialisten die Macht in Wien übernommen.

Wie will man weiterleben? Wie weiter lieben?