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Arbeitsmarkt 2030: Revolution bleibt aus

Baustelle Zentralbahnhof, Bauarbeiter Foto: Clemens Fabry
(c) (Clemens Fabry)
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Auch im Jahr 2030 werden die meisten Österreicher in unbefristeten Verhältnissen als Arbeiter oder Angestellte tätig sein, glaubt Zukunftsforscher Reinhold Popp. Auch wenn viele Experten diverse Wandel fordern.

"Die Zukunft der Welt - auch der Arbeitswelt - ist bunt, nicht schwarz-weiß, aber vielleicht weniger spektakulär, als das manche gerne hätten", sagte Zukunftsforscher Reinhold Popp von der Fachhochschule für Zukunftsstudien in Salzburg, in seiner Keynote zur Podiumsdiskussion bei den Alpbacher Reformgesprächen. Die Flexibilisierung in Bezug auf Arbeitsorte werde sich vornehmlich zwischen den beiden Polen "Firma" und "zu Hause" abspielen. Den hochgebildeten und hochflexiblen so genannten "Lebensunternehmer" sieht er in der Minderheit, vielmehr sei der Wunsch nach Flexibilität gepaart mit Sicherheit (Stichwort "Flexicurity") erkennbar.

Flexibilisierung nur teilweise

In Sachen Flexibilisierung der Arbeitszeit erwartet Popp eine nennenswerte Verkürzung der Wochenarbeitszeit nur in Teilen der Industrie. Apropos Industrie: Im Zusammenhang mit dem viel diskutierten Wandel von der Industrie- hin zur Dienstleistungsgesellschaft formulierte Popp, es existierten keine Anzeichen dafür, dass es künftig "statt rauchender Schlote nur mehr rauchende Köpfe" geben werde. Und er geht davon aus, dass das unbefristete Vollzeit-Normalarbeitsverhältnis in unseren Breiten weiterhin die dominante Form in der Arbeitswelt sein werde.

Heinisch-Hosek: Frauen arbeiten mehr

SPÖ-Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek führte einmal mehr aus, dass sich in den vergangenen 15 Jahren in Österreich nichts am Verhältnis bezahlter zu unbezahlter Arbeit geändert habe, unbezahlte Arbeit werde weitgehend von Frauen erledigt. "Tatsache ist auch: Frauen arbeiten so viel wie nie zuvor, aber oftmals in Arbeitsformen, die sie nicht selber gewählt haben", meinte die Ministerin etwa in Bezug auf Teilzeitarbeitsverhältnisse. Einmal mehr plädierte Heinisch-Hosek dafür, in Österreich Überstunden zu reduzieren. Sie verspricht sich davon nicht nur neue Arbeitsplätze. Die Zeit, die dadurch zusätzlich zur Verfügung stehen würde, könnte vermehrt beispielsweise für das Familienleben, für kreative Tätigkeiten oder ehrenamtliches Engagement genutzt werden.

Brossardt für Rückkehr zu 40h-Woche


Bertram Brossardt, Vizepräsident und Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), betonte im Gegensatz zur Frauenministerin, dass mehr statt weiger gearbeitet werden müsse. Er skizzierte die Tatsache, dass es bereits jetzt zu wenig und in Zukunft noch weniger qualifizierte Arbeitskräfte gebe. Das stelle die Wirtschaft vor das Problem: "Wie kann die anfallende Arbeit in Deutschland erledigt werden? Denn wenn nicht genug Arbeitskapazität zur Verfügung steht, wandert die Arbeit aus." Und er verlieh seiner festen Überzeugung Ausdruck, dass eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit in Deutschland von derzeit 37,5 etwa auf 40 Wochenstunden unumgänglich sei.

Attac: "Welchen Wohlstand wollen wir?"

Christa Wichterich, Lehrbeauftrage am Insitut für internationale Entwicklungen an der Universität Wien und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats von Attac Deutschland, wollte das Thema "Arbeit in der Zukunft/Zukunft der Arbeit" in einem weltweiten Zusammenhang behandelt wissen. Sie sprach sich für eine Verkürzung der Arbeitszeit aus und plädierte für eine Änderung der globalen Arbeitsteilung, "und zwar nicht nur für eine Änderung der quantitativen Umverteilung", sondern auch für eine Um- und Neubewertung der Arbeit. Und die Soziologin hielt fest: "Bisherige Krisen haben vor allem eines gezeigt: Wie wir wirtschaften, ist enorm energieintensiv, nicht nachhaltig." Sie stellte die Frage "Welches Wachstum, welche Art des Wohlstandes wollen wir?" und plädierte vehement für einen Systemwandel. Dabei verwies Wichterich auf zwei weitere Punkte, die im Zuge dessen mitbedacht werden müssten: die hohe Jugendarbeitslosigkeit sowie die Schwierigkeiten für ältere Menschen, Arbeit zu finden.

 

(Red.)