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Testessen: Hausbesuch vom Steirereck

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Das Steirereck bietet nun wunderbare Wiener Klassiker im Glas. Und es wären nicht die Reitbauers, würden sie nicht ein paar Kollegen empfehlen.

Der viel zu früh verstorbene Jörg Wörther wurde nicht nur als potenzieller Drei-Michelin-Sterne-Koch gehandelt und als Gemüseperfektionist gefeiert, er war auch ein Erfindergeist. Soll heißen: Er wälzte Ideen und Pläne. Sein Einfall, salzige Köstlichkeiten wie Eiscreme in Stanitzel zu platzieren und damit die kulinarische Welt zu erobern, war zwar witzig, aber vielleicht nur das. Er sprach auch immer wieder an – nicht als Einziger –, auch hierzulande endlich Luxusgerichte in Konserven oder Rexgläsern anzubieten. Das war in Österreich aber immer verpönt. Doch dann kamen Covid-19 und die dazugehörigen Lockdown-Phasen, und plötzlich lieben und leben wir alle diese Idee.

Die ersten Adressen des Landes sind auf Take-away umgestiegen. Im Steirereck kochte Heinz Reitbauer im Frühling sogar auf Haus für die Einsatzkräfte, daneben wurden die Gläsergerichte eingeführt und ständig erweitert, die auch nach Hause geliefert werden. Stammgäste staunten in den vergangenen Tagen nicht schlecht, als Birgit Reitbauer die Köstlichkeiten auslieferte. Nur aufwärmen muss man selbst, Mikrowelle und Wasserbad kann sogar Christian Rainer dem Vernehmen nach. Die Steirereck-Mannschaft setzt naturgemäß auf Wiener Klassiker, die sich leicht ins Glas bringen lassen und für ein paar Tage gut haltbar sind, als da wäre etwa ein wunderbar cremiges Kalbsrahmgulasch. Die pikantere Rindsgulasch-Variante sei ebenso empfohlen wie das Paprika-Hendl, das mit einer sehr starken Limetten-Note erfreut – sauer macht lustig. Unter das Suchtmittelgesetz sollte eigentlich die Salz-Karamell-Tarte fallen, geiler wurden selten zuvor süß und salzig kombiniert. Wahnsinn. Birgit Reitbauer wäre nicht Birgit Reitbauer, würde sie in ihrem Take-away-Bereich in der Meierei nicht noch ein halbes Dutzend Empfehlungen für andere Adressen weitergeben: Etwa für den Wochenend-Laden der wunderbaren Lisl Wagner-Bacher und Thomas Dorfer. In der Annagasse 18 werden ein Szegediner im Glas, ein veganes Gemüse-Curry und ein Beef Bourguignon – wie wir Kosmo-Snobs die Rindsbackerln gern nennen – angeboten. Natürlich im Glas. Zu Mautern kochen Dorfer und Co. auch elaboriertere Gerichte zum Selbstabholen, etwa einen Wildgarnelen-Salat oder Ganslfleischknödel. Apropos: Sowohl bei Reitbauers als auch bei Wagner-Bachers gibt es auch Gansl to go. Echte Kreative erkennt man daran, dass sie auch in der Krise keine Ruhe geben. Ich hoffe sehr, dass die neue Take-away-Kultur nach Corona bleibt. Das wäre zumindest eine positive Auswirkung!

Hausbesuch vom Steirereck,
Tel.: +43/(0)1/713 31 68, täglich: 13–18 Uhr. Zustellgebühr: ­Bezirke ­1.–9. € 5, Bezirke 10.–20. & 23. € 9. Mehr
Kolumnen auf: DiePresse.com/lokalkritiken