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Fahrbericht

Die neue – eher relative – Bescheidenheit bei AMG

Als Coupé ist der GLE eine durchaus attraktive Erscheinung.
Als Coupé ist der GLE eine durchaus attraktive Erscheinung.(c) Die Presse/Clemens Fabry
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AMG bedeutet nicht mehr automatisch Achtzylindermotoren und Trumpfkarten von jenseits der 600 PS.

Wien. Es gab einmal Zeiten, als ein Ford Escort XR3i als das Höchstmaß an motorischer Leistung galt. 105 PS, die einen in 10,3 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen – das war schon etwas. Heute steigt man in einen Mercedes-AMG ein und wundert sich, warum er nur 435 PS hat.
Es ist eine neue Art der relativen Bescheidenheit, die die Autoschmiede in Affalterbach (nein, das ist nicht das A in AMG, das erklären wir später) seit einigen Jahren übt – geschuldet den Abgasvorschriften der EU. AMG bedeutet nicht mehr automatisch Achtzylindermotoren und Trumpfkarten von jenseits der 600 PS.

Schadet das dem Mercedes-AMG GLE 53 4Matic Coupé, der von einem doppelt aufgeladenen 3,0-Liter-Sechszylindermotor mit 435 PS angetrieben wird? Würden wir jetzt mit Ja antworten, dann würden die p. t. Leserinnen und Leser zu Recht an unserem Geisteszustand zweifeln. Es passiert eher selten, dass einem im Alltag die 1,3 Sekunden abgehen, die man im AMG 53 länger auf 100 km/h benötigt als im AMG 63 (nämlich 5,3 statt vier Sekunden). Und abgeregelt sind ohnehin beide GLE-AMG-Versionen bei 250 km/h (nur der AMG S geht bis 280 km/h).

Was wir jüngst schon beim sportlichen SUV-Modell von BMW lobten (X5 M Competition), gilt besonders auch für diesen Mercedes-AMG: Das Fahrwerk macht dieses Auto aus. Man muss einen 2,3-Tonner erst einmal so abstimmen können, dass diese Masse bei flotter Kurvenfahrt in der Spur bleibt. Da gibt es dank raffinierter Stabilisatoren kein Wanken und kein Schwanken. Mit der Unterstützung des Allradantriebs nimmt man Kurven, die man sonst weit vorher anbremsen würde. Dazu kommt eine Neungangautomatik, die blitzschnell und präzise schaltet.

Man kann auch diesen Mercedes gemütlich fahren mit einem entsprechend entspannten Fahrwerk und unterstützt von einem 48-Volt-Mildhybridsystem, das beim sanften Gleiten den Antrieb übernimmt. Vielleicht trug das dazu bei, dass sich der Testverbrauch bei für dieses SUV erträglichen 11,5 Litern einpendelte. Der Preis unseres Testmodells: 126.900 Euro, von denen fast 40.000 Euro an den Staat gehen.

Weil es immer Diskussionen über den Namen AMG gibt: A für Affalterbach wäre naheliegend, ist es aber nicht. Das A steht für Hans Werner Aufrecht, der gemeinsam mit Erhard Melcher (das M) in Großaspach (das G) 1967 die Firma AMG gegründet hat.

Compliance-Hinweis: Die Reisen zu Produktpräsentationen wurden von den Herstellern unterstützt. Testfahrzeuge wurden kostenfrei zur Verfügung gestellt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.11.2020)