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++ THEMENBILD ++ CORONAVIRUS / LOCKDOWN
Leserstimmen

Zwölf Leser, zwölf Meinungen zu den aktuellen Entwicklungen in der Coronakrise

Ein harter Lockdown steht Österreich erneut bevor - bei den Leserbrief-Schreibern ist Corona nach wie vor das dominierende Thema. Wir präsentieren eine Auswahl an Leserbriefen.

Tests für alle Einwohner und Grenzkontrollen

Seit acht Monaten experimentieren wir mit allerlei Maßnahmen, um Corona halbwegs unter Kontrolle zu bringen. Der wirtschaftliche Schaden beträgt bereits Milliarden, die sozialen Verwerfungen sind beträchtlich. Dabei haben uns asiatische Staaten bereits gezeigt, wie es wirklich gemacht gehört. Reihentests für alle Einwohner des Landes hätten mit etwa 350 Millionen Euro ins Kontor geschlagen. Anschließend Quarantäne für alle positiv Getesteten und strenge Grenzkontrollen mit obligatorischen Tests für jeden Einreisenden. Nach vier Wochen kann dann das Leben weitergehen wie vorher, ohne Einschränkungen im Inland, aber mit weiteren lückenlosen Grenzkontrollen. China, Südkorea, Taiwan, Singapur haben es demonstriert. Wir aber hanteln uns von einem Lockdown zum nächsten, ruinieren dabei viele Existenzen, schließen Schulen und haben am Ende 50 Milliarden Schulden mehr am Buckel.
Dr. Hans Stockmayr, 4722 Peuerbach

Lockdowns werden auf Dauer nicht möglich sein

Seit dem Sommer stelle ich fest, dass rund um die verschiedensten Corona-Verordnungen zwei Dinge nie wirklich funktioniert haben: Ein Test mit Ergebnis innerhalb von 24 Stunden samt dazugehörigem Quarantänebescheid mit Kontrolle; und die Kontrolle von Partys im privaten Umfeld, aber ganz besonders von Veranstaltungen in Räumlichkeiten von verschiedenen verantwortungslosen Lokalbetreibern.
Wir konnten zusehen, wie die Zahlen wieder steigen, das zarte Pflänzchen aber, das wir über den Sommer mit viel harter Arbeit wieder aufgebaut haben, um im Herbst halbwegs normales Geschäft in den Restaurants zu haben, wurde durch die Reisewarnungen, die Reduktion auf sechs Gäste pro Reservierung, die Registrierungspflicht und zuletzt den Shutdown in Gastronomie und Hotellerie wieder zunichte gemacht. Aber die Zahlen steigen und steigen, eine Verlängerung des Lockdowns auch in den Dezember wird immer wahrscheinlicher. Ich bin aber überzeugt, dass wir noch lang mit dem Virus werden leben müssen. Und dass die Zahlen sofort wieder steigen, wenn die beiden o. a. Punkte nicht funktionieren.
Wenn jemand mit Symptomen einen Schnelltest macht, dann zu einer PCR-Teststation geschickt wird, diesen Test dort am nächsten Tag macht und drei Tage später das Ergebnis bekommt, aber bis dahin keinen Absonderungsbefehl bekommen hat, so sind das genau die fünf Tage, in denen man infektiös ist und alle möglichen anderen Personen ansteckt. Bei sofortiger kontrollierter Quarantäne würde sich die Zahl der Angesteckten massiv reduzieren. Nur so oder durch einen kompletten Lockdown haben wir eine Chance, die Infektion einzudämmen. Aus meiner Sicht sind aber Lockdowns auf Dauer nicht möglich, ohne dass dabei der Großteil der Dienstleistungs- und Unterhaltungsbranche und in weiterer Folge die gesamte Wirtschaft umgebracht wird.
Einzig mit der kompromisslosen Umsetzung der beiden Punkte als Basis für alle anderen Schritte werden wir es schaffen, wieder ein halbwegs normales Leben zu leben. Die Medien müssen das gebetsmühlenartig von der Regierung einfordern und sich nicht durch Ankündigungen ablenken lassen. Damit es auch in den nächsten Monaten und Jahren noch eine spannende Gastronomie bei uns gibt.
Klaus Piber, Restaurant Frank's, Wien

Das ist die wahre Triage in Covid-Zeiten

Es ist mir völlig unklar, wie Marcus Franz zu seiner Meinung kommt. Triage bedeutet in diesem Fall nicht ein ruhiges, vernünftiges Abwägen, Triage bei vollen Intensivstationen bedeutet, dass man als Notarzt mit einem jungen Polytraumapatienten keinen Intensivplatz bekommt und mit ihm quer durch Österreich auf der Suche nach einem Intensivplatz herumirrt. Keine Intensivstation wird dann einen Covid-Patienten, den sie seit Tagen betreut, sterben lassen, um mir einen Platz für meinen Notfallpatienten freizumachen. Wie man in Italien etc. im Frühjahr gesehen hat, zählt dann nur das Prinzip „First come, first served“. Das ist die wahre Triage in Covid-Zeiten, nicht die von Kollege Franz romantisch verklärte, absolut unrealistische Version.
Dr. Josef Burger, Landesarzt Bergrettung Tirol, 9900 Lienz

Klapperschlange statt Babyelefant

Der von der Politik geforderte Abstand von einem Meter wird von vielen Virologen als zu gering bezeichnet. Er kann zwar bei Husten und Niesen die Tröpfchen-Infektionen verhindern, weil hier fast automatisch ein Taschentuch oder der Ellbogen eingesetzt wird. Beim Sprechen, vor allem zum Gegenüber, kann das aber erst bei einem Abstand von ca. 1,80 m verhindert werden, denn viele Menschen haben in einer lauten Umgebung eine laute „feuchte“ Aussprache. In Österreich und vielen anderen Ländern gibt es schon größere Abstands-Empfehlungen, zum Beispiel von der katholischen Kirche 1,50 und beim Singen zwei Meter. Das Elefantenbaby ist auch deshalb weniger geeignet, weil es als Baby eher Zuneigung vermittelt und zum Streicheln einlädt.
Deshalb wäre ein abschreckendes Tier, wie zum Beispiel die Klapperschlange, die bis etwa 1,80 Meter Länge erreicht, für einen Sicherheitsabstand von zwei Metern besser geeignet.
Dr. Karl Socher, 6072 Lans

8000 im Möbelgeschäft, das Museum bleibt zu

Wir haben Sebastian Kurz und seiner Regierung bisher unsere uneingeschränkte Bewunderung gezollt und ihr Programm voll mitgetragen. Jetzt sind wir aber sehr verärgert über die Diskussion um mögliche Schulschließungen angesichts der dramatischen Gesundheitslage und der Tatsache, dass sich an einem einzigen Tag 8000 (!) Personen in ein Möbelgeschäft drängen. In ein Museum mit vielleicht 100 anderen Besuchern auf großer Distanz dürfen wir nicht hinein, kein Theater, kein Konzert, wenn auch noch so vorsichtig, darf stattfinden? Was soll das? Wir wurden als K1-Personen zu zehn Tagen Quarantäne verpflichtet und haben das im Sinne der Volksgesundheit gern auf uns genommen. Aber angesichts solcher Vorkommnisse machen sich Frust und Ablehnung breit. Die Regierung ist dabei, viele Sympathisanten zu verlieren.
Verena Zellner, 3423 St. Andrä

Ergebnis bei Antigen-Test nach 15 Minuten

Wirklich erschütternd, der Ablauf der Covid-Testung von Andrea Schurian. Und ich gehe davon aus, dass dies exemplarisch ist und nicht ein Einzelfall. Selbst ein genesener Coronapatient (Test im Privatlabor, Ergebnis nach drei Stunden, Anruf des Magistrats am gleichen Nachmittag mit Verkündigung der zehntägigen Quarantäne, Bekanntgabe einer Notfallnummer im Falle einer Zustandsverschlechterung) kann ich nur auf die Antigen-Tests verweisen, da wissen die Betroffenen nach 15 Minuten, woran sie sind. Das ist für den Ablauf der Weiterverbreitung sicher sinnvoller, als 14 Tage auf ein Ergebnis zu warten.
Es stellt sich mir die Frage, ob es nicht besser ist, die Infektiösen sofort auszugrenzen und jene, die nur schwach infiziert sind (negativ beim Antigen-Test, positiv beim PCR-Test in der Wiederholung, wie bei meiner Frau) nicht bzw. erst entsprechend verspätet zu erfassen. Laut Medienberichten werden diese nicht viele weiter anstecken.
Dr. Michael Gohn, 1190 Wien

Was sollen wir Alten? Versauern, verdummen?

Ich bin in den 80ern und körperlich und geistig noch sehr aktiv. Mit dem Schwimmen wird es die nächsten Wochen nichts, leider. Jetzt hat die VHS auch meinen Englischkurs ausgesetzt: Es ist ein Kurs vor Ort, an dem ich (und nicht nur ich) von zu Hause via Internet teilnehme. Mit Heimvorteil, nennt das die VHS. Abgesehen vom Gehirntraining: Der Kurs, die Vorbereitungen und Hausaufgaben strukturieren meine Woche ganz wesentlich. Was sollen wir Alten jetzt, während die Pandemie uns dazu zwingt, zu Hause zu bleiben? Versauern und verdummen? Gerade von der VHS habe ich mir einen anderen Zugang erwartet als "Kommen wenig Leut, fahr ma runter, Geld zurück". Ich habe eine sehr kleine Pension, aber es geht mir nicht um die paar Euro: Ich will lernen, Kontakt haben, etwas tun für die Zeit danach, wenn Reisen wieder möglich ist.
Liebe Stadt Wien: Tu etwas für uns, die wir in der Pension noch online gehen, um unseren Horizont zu erweitern. Damit wenigstens unser Geist auf der Höhe bleibt, wenn das Fitnesstraining schon ausfallen muss. Danke.
Elisabeth Keller, 1230 Wien

Warum gelten nur wir Jungen als rücksichtslos?

Eine über 80-jährige Frau beklagt die Corona-Einschränkungen. Mit ein paar simplen Tipps kann Abhilfe geschaffen werden:
Anstatt schwimmen gehen bieten sich Spaziergänge im Wienerwald an oder Gymnastikkurse zu Hause online; anstatt VHS Kurs kann man für wenige Euro tausende Bücher und CDs in den Wiener Stadtbüchereien ausborgen. Wenn die Pensionistin keine Familie oder Freunde für die sozialen Kontakte hat - wie wäre es damit, zu versuchen, die Nachbarn kennenzulernen und bei Bedarf zu unterstützen? Warum soll die Gemeinde Wien (richtig: der Steuerzahler) für die Unterhaltung von gelangweilten Menschen aufkommen? Warum werden immer nur wir Jungen als rücksichtslos und vergnügungssüchtig bezeichnet?
Christian Löffler, 1190 Wien

Leisertreten hat noch niemandem geschadet!

Ballett, Theater, Kabarett und dergleichen, aber auch Fußball, Tennis oder Judo, wunderbare Dinge, die unser Leben und unseren Alltag zweifellos bereichern, aber keineswegs ausmachen. Kunst, Kultur und Sport dienen der Erholung und Unterhaltung. Es ist vermessen, von lebensnotwendig zu sprechen. Der Chef des Wiener Burgtheaters spricht gar von Nahrungsentzug. Diesen würden wohl alle überleben. Hoffentlich finden manche Leute gerade jetzt Zeit, darüber nachzudenken, wie wichtig, aber auch wie durchaus entbehrlich so manches in schwierigen Zeiten tatsächlich sein kann. Vielleicht kann man dann die Relationen von muss und kann wieder etwas zurechtrücken. Leisertreten für ein paar Wochen hat noch niemandem geschadet, Großelterngeneration fragen!
Hans Hopf, 4174 Niederwaldkirchen

"Vogel-Strauß-Politik"?

Schon im Frühjahr war erkennbar, dass bei dieser Pandemie der Engpass die Intensivbetreuung in den Spitälern ist und sein wird. Und siehe da, jetzt tritt das wieder massiv in den Fokus. So sagt Prof. Markstaller; "Unsere Intensivkapazitäten sind bereits im Regelbetrieb weitgehend ausgelastet, mit einem Puffer von fünf bis zehn Prozent". Ist das "Vogel-Strauß-Politik"?
Denn was haben der Minister Anschober und die Gesundheitslandesräte in den vergangenen Monaten getan, um diesen absehbaren Engpass zumindest zu entschärfen?
Konkret: Wie viele Räumlichkeiten wurden für die Intensivbetreuung neu geschaffen? Wie viele zusätzliche Beatmungsgeräte wurden gekauft? Wurde eine Reserve an Pflege- und medizinischem Personal für die Intensivstationen geschaffen? Hier denke ich an Pflege- und Medizinstudenten, die man kurzfristig durch spezielle Anreize hätte ausbilden können; auch teilzeitbeschäftigte Ärzte (nach OECD ein Drittel). Es sieht so aus, dass die genannten Politiker die Entschärfung dieses Engpasses verschlafen haben.
Das wäre massives Politikversagen!
Dr. Thomas Opferkuch, 1090 Wien

Bitte um mehr Weitblick

Fassungslos verfolge ich seit Monaten die besserwisserischen Kommentare einzelner Juristen, die sich reflexartig an den Maßnahmen der Bundesregierung abarbeiten; darunter sind Rechtsanwälte, pensionierte Verfassungsrechtler und zuletzt sogar besonders gescheite Jusstudentinnen. Haben diese Fachleute nichts Besseres zu tun? Fehlt es ihnen vollkommen an wirtschaftlichem und gesundheitspolitischem Verständnis, zu erkennen, worum es bei der Eindämmung einer Pandemie geht? Sind sie so betriebsblind oder versuchen sie nur, ihr Ego durch Nennung in den Medien aufzubessern? Ihre Wortmeldungen sind zur Lösung der Krise ungefähr so hilfreich wie das nachträgliche Querulieren der Opposition zu vermeintlichen Versäumnissen der Regierung. Konstruktive Lösungsvorschläge für die Zukunft sehen anders aus. Es gibt weltweit keinen Experten, der ein Patentrezept in der Schublade hat. Alle Regierungen versuchen nach bestem Wissen, Corona in den Griff zu bekommen, manche besser, manche schlechter. Bitte um etwas mehr Weitblick; wenn in einer Verordnung ein Punkt über dem Komma fehlt, stellt das sicherlich noch keine Gefährdung für den Rechtsstaat dar.
Günther Hackl, 1140 Wien

Mensch ist vernunftbegabt, handelt aber oft nicht so

Die Sache ist einfach: Der Mensch ist zwar vernunftbegabt, handelt aber oft nicht so. Ideologische Einflüsterungen von rechts und links, auch über längere Zeit, haben da wenig Wirkung. Der Mensch ist zuallererst ein Produkt der Evolution, primär auf das eigene Überleben und die Fortpflanzung ausgerichtet, im Zweifel auch auf das der Gruppe. Das hindert ihn aber nicht daran, sich gelegentlich schädlich für sich selbst oder seine Umgebung zu verhalten. Dafür gibt es viele Beispiele.
Christian Ortner scheint Eigenverantwortung so zu verstehen, dass, wenn nur jeder (verantwortungsvoll) an sich denkt, an alle gedacht ist. Wäre schön, funktioniert aber nicht. Jeder dynamische Prozess, ob politischer, wirtschaftlicher oder wie im Falle Corona medizinischer Natur, hat das Potenzial schwerwiegender negativer Auswirkungen, wenn ihm nicht rechtzeitig Einhalt geboten wird. Wenn nötig - wie in diesem Falle - auch von staatlicher Stelle.
Heinz Rotte, Dipl.-Betriebswirt, 1220 Wien

(sk)