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Buchbesprechung

„Mord in High-gate“: Ein cleverer Todesfall

(c) Insel
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Der Brite Anthony Horowitz lässt seinen unsympathischen Detektiv Hawthorne wieder ermitteln. Horowitz selbst ist als unbegabter Sidekick und Ich-Erzähler mit dabei.

Er hat Fortsetzungen von James Bond-Romanen und Sherlock Holmes-Krimis geschrieben. Hat Agatha Christie-Bücher fürs Fernsehen adaptiert und das Drehbuch für mehrere „Inspector Barnaby“-Folgen verfasst. Es ist also nicht sehr verwegen zu behaupten, dass Anthony Horowitz ziemlich viel Ahnung von britischer Krimi-Tradition hat.

Wie amüsant und raffiniert er mit ebendieser zu spielen vermag, hat der Brite unter anderem in „Ein perfider Plan“ gezeigt, in dem erstmals der verschlossene Hawthorne als Privatdetektiv ermittelte. Schon damals war Autor Horowitz selbst als Ich-Erzähler mit dabei, der den nicht übertrieben sympathischen Detektiv begleitet, weil er ein Buch über Hawthorne schreiben soll.

Auch im neuen Fall „Mord in Highgate“, in dem ein prominenter Scheidungsanwalt mit einer teuren Weinflasche umgebracht wird, schleicht sich Horowitz wieder selbst als eher unbegabter Sidekick in die Geschichte ein. Die beiden, die nur die Vertragsverpflichtung beim Verlag verbindet, geben so eine Art modernes Sherlock-Holmes und-Doktor-Watson-Duo ab, als Leser sieht man Horowitz dabei beim Schreiben zu. Geschickt vermischt der Autor nicht nur Realität und Fiktion, er macht sich auch über diverse Krimi-Klischees lustig – um sie dann dreist selbst zu verwenden. Der Fall selbst ist ein klassisches Whodunnit, in dem Ex-Klienten und -Gegner des Anwalts ebenso verdächtig sind wie sein Lebenspartner. Eine amüsante und clevere Lektüre. mpm

Anthony Horowitz: „Mord in High-gate“, übersetzt v. Lutz-W. Wolff, Insel, 344 Seiten, 22,70 Euro

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.11.2020)