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Formel 1

Die Botschaft des Rekordchampions

Turkish Grand Prix
Hamilton in der Türkei.Pool via REUTERS
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Im Regenchaos von Istanbul rast Lewis Hamilton zum siebenten WM-Titel, stellt die Schumacher-Bestmarke ein und zeigt, wieso er nicht nur im Cockpit der Konkurrenz voraus ist.

Istanbul. Am Ende waren die Intermediate-Reifen von Lewis Hamilton glatt wie Slicks. 49 von 58 Runden im Rutsch- und Regenchaos von Istanbul hatte der alte und neue Weltmeister mit diesem einen Reifensatz gedreht, knapp vor Schluss damit auch noch seine schnellste Runde gefahren. Dann stellte er seinen Mercedes einmal mehr auf dem Siegerparkplatz ab.

Alles in allem eine würdige Vorstellung selbst für jemanden, dessen Fahrkünste bei Nässe und Regen gern mit jenen von Ayrton Senna verglichen werden. An einem Rennwochenende zudem, das Hamilton erstmals seit längerer Zeit vor Probleme mit seinem Boliden gestellt und ihm nur den sechsten Startplatz beschert hatte.

Doch als es dann um Sieg, Punkte und Titel ging, passte in bekannter Hamilton- und Mercedes-Manier wieder alles zusammen. Mit dem zehnten Saisonsieg fixierte der Titelverteidiger vorzeitig seinen siebenten WM-Triumph und stellte den Rekord von Michael Schumacher ein. Dass Hamiltons Rekordfahrt längst nicht beendet ist, scheint ausgemacht, die Vertragsverhandlungen sollen nun Fahrt aufnehmen. „Wir wollen ihn im Auto und er will den Mercedes“, sagte Teamchef Toto Wolff. „Er ist mitten in seinem Schaffen und da kommt noch etwas drauf.“

Missstände, Mode, Musik

Schon im Cockpit in Istanbul kamen Hamilton die Tränen. „Für alle Kinder da draußen, die vom Unmöglichen träumen – ihr könnt es schaffen!“, sprach er in den Boxenfunk und ergänzte später: „Das jetzt übertrifft meine Träume.“

Nach dem viertletzten Saisonrennen ist Hamilton nicht mehr von der Spitze zu verdrängen. Er hat 307 WM-Punkte und liegt uneinholbar vor Stallrivale Valtteri Bottas. Der Finne hatte als 14. nichts mit dem Kampf um die Spitze zu tun, wurde sogar überrundet. Die Autos von Konstrukteursweltmeister Mercedes kamen auf dem neuen Asphalt lang nicht zurecht. Hamilton übernahm erst in der 38. Runde die Führung und konnte diese verteidigen.

Sportlich ist der 35-Jährige spätestens jetzt ganz oben angekommen. Doch Hamilton geht es längst um andere Dinge als nur ein schnelles Auto. Nicht erst seit dem Ausbruch der Coronakrise führt sein Blick weiter. Er will das Leben der Menschen positiv beeinflussen, bringt sich aktiv im Kampf gegen Rassismus und für mehr Diversität in der Gesellschaft ein, auch Klima- und Umweltschutz beschäftigen ihn. „Der Fahrertitel hat nicht unbedingt Auswirkungen auf das Leben der Menschen. Der Versuch, die Bedingungen für Menschen auf der ganzen Welt zu verbessern, ist für mich das Wichtigste.“ Bemerkenswerte Worte des überzeugten Veganers, der sich in den vergangenen Jahren gewandelt hat. „Er hat sich sehr entwickelt. Als Fahrer und auch als Mensch“, meinte Wolff.

Vorbei sind die Zeiten der öffentlichen Liebeleien mit Popsternchen Nicole Scherzinger, seinen Privatjet hat er abgegeben, seine Social-Media-Kanäle (20,5 Millionen Follower allein auf Instagram) nutzt er vorrangig, um auf Missstände aufmerksam zu machen, eine von ihm entworfene Modekollektion oder selbst komponierte Musik zu präsentieren. Oder einfach für ein paar Videos mit seinem Hund Roscoe.

Sportlich ist Hamilton seit Langem der Maßstab. Er hält Rekorde für die meisten Pole-Positionen (97) und die meisten Grand-Prix-Siege (94). Er gewann 2008 im McLaren den ersten WM-Titel, 2014, 2015, 2017, 2018, 2019 und 2020 folgten sechs weitere im Mercedes. Hamiltons Vater hatte einst vier Jobs gleichzeitig, damit der kleine Lewis dem Motorsport nachgehen konnte. Ausgelacht habe man sie, weil sie ihren Traum von der Formel 1 umsetzen wollten. „Aber wir haben es als Familie geschafft und einfach niemals aufgegeben“, erklärte Hamilton. (joe/DPA)

Grand Prix Türkei Istanbul

1. Lewis Hamilton (GBR) Mercedes 1:42:19,313
2. Sergio Pérez (MEX) Racing Point +31,633 Sek.
3. Sebastian Vettel (GER) Ferrari +31,960
Weiters: 4. Leclerc (MON) Ferrari +33,858 5. Sainz jr. (ESP) McLaren +34,363 6. Verstappen (NED) Red Bull +44,873 7. Albon (THA) Red Bull +46,484 8. Norris (GBR) McLaren +1:01,259 9. Stroll (CAN) Racing Point +1:12,353 10. Ricciardo (AUS) Renault +1:35,460
Fahrer-WM (nach 14 von 17 Rennen): 1. Hamilton 307 (Weltmeister) 2. Bottas 197 3. Verstappen 170