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Pharmaindustrie

Zweite US-Firma meldet Erfolg bei Covid-19-Impfung

Mit der Firma Moderna meldet schon der zweite große US-Pharmakonzern innerhalb einer Woche ein erfreuliches Ergebnis einer Zwischenanalyse der Testphase.imago/Laci Perenyi
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Nach Pfizer verkündet nun auch Moderna erfreuliche Zwischenergebnisse in der Testphase 3. Die Forscher errechneten eine Wirksamkeit von 94,5 Prozent.

Auf eine Schutzimpfung gegen Covid-19, die schon im ersten Halbjahr 2021 breit einsetzbar ist, hofft nicht nur der österreichische Bundeskanzler. Doch das setzt einige Eile voraus – und ungewöhnlich schnelle Erfolge in der Phase 3, der letzten Phase der klinischen Prüfung eines Impfstoffes, nach der erst die Hersteller um Zulassung ansuchen können.

Diese Phase 3 dauert üblicherweise mehrere Jahre, in ihr werden über 10.000 freiwillige Testpersonen geimpft, eine Gruppe – meist die Hälfte – tatsächlich mit dem Impfstoff, die andere mit einem wirkungslosen Placebo. Dann muss man warten, bis sich genügend Testpersonen mit dem grassierenden Erreger angesteckt haben, denn erst dann kann man die Gruppen sinnvoll vergleichen – und damit feststellen, wie gut der Impfstoff vor dem Erreger schützt.

Wirksamkeit von 94,5 Prozent

Das ist nun offensichtlich der Fall: Mit der Firma Moderna meldet schon der zweite große US-Pharmakonzern innerhalb einer Woche ein erfreuliches Ergebnis einer Zwischenanalyse der Testphase 3. Diese läuft in den USA seit 27. Juli an 30.000 Probanden. 95 haben sich in der Zwischenzeit mit Covid-19 angesteckt, 90 davon hatten eine Placebo-Impfung bekommen, nur fünf den wirklichen Impfstoff. Daraus errechnen die Forscher eine Wirksamkeit von 94,5 Prozent. Noch dazu sind alle elf schweren Verläufe in der Placebo-Gruppe.

Schon am letzten Montag haben die deutsche Biotechfirma BioNTech und ihr US-Partner Pfizer mit einer Wirksamkeit von 90 Prozent einen ähnlichen Erfolg für ihren Impfstoff gemeldet. Er heißt BNT162b2, der von Moderna heißt mRNA-1273.

Chemische Basis: Messenger-RNA

Dieser Name kommt von Messenger-RNA, das ist die Form von RNA (Ribonukleinsäure, sozusagen die vielseitige Schwester der Desoxyribonukleinsäure DNA), die in allen Zellen an sogenannten Ribosomen in Proteine übersetzt wird. Während unsere Erbinformation im Zellkern in Form von DNA vorliegt (die zuerst in Messenger-RNA übersetzt werden muss), besteht die des Sars-CoV-2-Virus gleich aus RNA. Diese RNA lässt das Virus an unseren Ribosomen – die den Unterschied nicht merken – in seine Proteine übersetzen. Etwa in das S-Protein, aus dem die aus zahlreichen Illustrationen bekannten Spikes des Virus bestehen, mit denen er sich an die Zellen anheftet.

Die Moderna-Impfung verwendet genau die Messenger-RNA, die als Vorlage für dieses S-Protein dient. Die Sache funktioniert offenbar: Nach der Injektion machen die Ribosomen in den Körperzellen der Geimpften das S-Protein daraus, was nicht schaden sollte, da ja kein Virus dranhängt. Wohl aber erkennt das Immunsystem dieses Protein als fremd (als „Antigen“, wie man mit einem unglücklichen, weil nach Gen klingenden Ausdruck sagt) und veranlasst die Produktion von Antikörpern, die dann im Fall einer echten Infektion schon da sind beziehungsweise schnell produziert werden können.

Weder Pfizer noch Moderna haben allerdings ihre Zwischenergebnisse in wissenschaftlichen Zeitschriften publiziert, man kann diese also nur als vorläufig ansehen. Offen ist auch, wie lange die durch eine solche Impfung erzielte Immunität anhält. Von der durch tatsächliche Infektion erlangten weiß man ja bereits, dass sie in manchen Fällen wieder verloren geht.

EU verhandelt schon über Lieferung

Trotzdem hat die europäische Arzneimittelbehörde EMA bereits das Verfahren für die Zulassung des Impfstoffs der Firma Moderna – die einen Ableger in Spanien hat – in Gang gesetzt. Man spricht von einem Rolling-Review-Verfahren, auch BioNTech/Pfizer und das britisch-schwedische Unternehmen AstraZeneca sind auf diesem Weg. Mit allen drei Firmen verhandelt die EU-Kommission bereits über Lieferverträge, bei Moderna ist von bis zu 160 Millionen Impfdosen die Rede, bei BioNTech und Pfizer gar von 300 Millionen Dosen. Welche Impfstoffe dann tatsächlich zum Einsatz kommen, scheint offen zu sein. Wenn es Messenger-RNA-Impfstoffe wie die von Moderna und BioNTech/Pfizer sein sollten, werden Transport und Lagerung heikel: Diese Stoffe müssen stark gekühlt werden, der von Moderna sogar auf –70 Grad Celsius.

Der Impfstoff von AstraZeneca etwa funktioniert anders: Er besteht aus einem modifizierten Adenovirus, in den Teile von Sars-CoV-2 eingebaut wurden. Etliche der vielen Impfstoffe, an denen derzeit gearbeitet wird, sind solche Vektorviren-Impfstoffe. Die Situation ist jedenfalls ziemlich schwer überschaubar: Derzeit sind weltweit mindestens elf Vakzine in Phase 3 und viele weitere in den Phasen 1 und 2. (ag./tk)