"Start me up": Microsoft feiert 15 Jahre Windows 95

GATES
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Das Betriebssystem legte den Grundstein für folgende Windows-Versionen. Microsoft investierte etliche Millionen, um Windows 95 zu propagieren. Das System sorgte für den Siegeszug der grafischen Benutzeroberfläche.

Vor 15 Jahren ließ Microsoft-Chef Bill Gates den "Start"-Button von der Leine. Mit Windows 95 wurde eines der erfolgreichsten Betriebssysteme des Softwarekonzerns auf den Markt gebracht. Nicht unschuldig daran war auch Microsofts Marketing-Kampagne. 300 Millionen US-Dollar steckte das Unternehmen in Werbung, zwischen acht und 14 Millionen Dollar soll der Hersteller den Rolling Stones für die Nutzung des Songs "Start me up" gezahlt haben, das Empire State Building in New York wurde in den Farben des Windows-Logos beleuchtet. Komponist Brian Eno, der schon mit David Bowie und U2 zusammengearbeitet hat, produzierte "The Microsoft Sound", der beim Hochfahren des Systems ertönte.

Nur DOS-Aufsatz?

Windows 95 sollte Nutzer des bis dahin weit verbreiteten MS-DOS 6.22 hin zu einem System mit grafischer Benutzeroberfläche locken. Daher war es auf volle Kompatibilität ausgelegt und lief auf einem DOS-Unterbau. Das hatte zahlreiche Diskussionen zur Folge, ob Windows 95 überhaupt ein eigenes Betriebssystem ist oder nicht einfach nur eine grafische Oberfläche für DOS. Im Gegensatz zu früheren Windows-Versionen wurde DOS aber nur noch als Kompatibilitätsschicht genutzt, sobald die grafische Oberfläche bereit war.

Grundstein für modernes Interface

Das Betriebssystem, das während seiner Entwicklung noch auf den Codenamen "Chicago" hörte, führte ein User Interface ein, das sich in abgewandelter Form auch heute noch in allen Microsoft-Betriebssystemen wiederfindet. Taskleiste mit Start-Button am unteren Bildschirmrand, dazu im rechten unteren Eck der System Tray. Seit Windows Vista wurde der "Start"-Schriftzug entfernt, der Button übt aber weiterhin dieselbe Funktion aus. Windows 7 stellte die erste größere Umstellung der Taskleiste dar, indem geöffnete Programme nicht mehr nur als Balken, sondern als Icons dargestellt werden.

15 Disketten für die Installation

Wer Windows 95 installieren wollte, benötigte mindestens einen PC mit 386er-Prozessor, besser lief das ganze aber mit einem 486er. Empfehlenswert war ein CD-ROM-Laufwerk, denn die Diskettenversion kam auf stolze 15 Disketten. Während der Installation wurde man regelrecht zum Disk Jockey. Neben der Urversion erschien Windows 95 noch mit dem Zusatz A, B oder C. Diese brachten überarbeitete Treiber und die Unterstützung für USB, sowie das FAT32-Dateisystem.

Internet Explorer integriert

Mit dem 1996 erschienenen Windows 95B machte Microsoft erstmals etwas, das später die Wettbewerbshüter auf den Plan rief. Das Unternehmen integrierte seinen Webbrowser Internet Explorer ins Betriebssystem. Die Integration war ein wesentlicher Grund für den späteren Erfolg des Browsers und letztendlich seiner Marktführerschaft.

Promo-Video für Windows 95

Siegeszug für grafische Oberfläche

Heute ist Windows 95 in die Bedeutungslosigkeit verschwunden. Es hat sich aber als Urvater der modernen Windows-Versionen durchaus einen Platz in der Ahnengalerie der PC-Betriebssysteme verdient. Apple-Fans werden natürlich sagen, die grafische Benutzeroberfläche (GUI) sei von Mac OS abgekupfert. Tatsächlich gab es aber bereits Ende der 1960er Jahre grafische User Interfaces. Der erste Computer war der Alto von Xerox PARC. Kommerziellen Erfolg wurde dem GUI aber erst mit Apple Macintosh im Jahre 1984 zuteil. Den wirklich Durchbruch für den Massenmarkt muss man aber dann doch Windows 95 zurechnen.

(db)

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