Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl
Randerscheinung

Ein Monat für Bäumekinder

Carolina Frank
  • Drucken
  • Kommentieren

Das ist das Schöne an Sätzen, sie können mit fallendem Laub im Herbst beginnen und mitten im  Frühling enden.

Es gibt also so etwas wie die Gnade des frühen Abgabetermins. Die Kolumne vom vergangenen Freitag habe ich ja schon eine Woche vorher abgeben müssen. Also vor dem Anschlag in Wien. Deshalb war sie im Rückblick auch so unpassend unbeschwert, obwohl sie in dieser schrecklichen Woche erschienen ist. Und diese Kolumne, die ich, weil alles früher fertig sein muss, ausgerechnet am Mittwoch danach schreibe, an dem sich in der Früh auch noch Donald J. Trump zum Sieger der US-Präsidentschaftswahl erklärt hat (Sie wissen inzwischen wahrscheinlich schon, wie das ausgegangen ist, ich will es gar nicht wissen), erscheint erst in zehn Tagen. Ich komme also um eine Terrorkolumne herum, die ich auch gar nicht schreiben möchte. Was mehr, als dass das zum Kotzen und Heulen und Fürchten und Verrücktwerden ist, will man dazu schon sagen.

Der Baum im Garten (es gibt mehrere, aber der, den wir gepflanzt haben) hat inzwischen seine Blätter verloren. Dabei muss ich daran denken, dass ich in diesem Bäumebuch gelesen habe, der beste Zeitpunkt, um einen Baum zu pflanzen, sei vor zwanzig Jahren. Und der zweitbeste heute. Ich werde aber, obwohl ich wahrscheinlich gerade im Home-Office sein werde, heute trotzdem  keinen Baum pflanzen. Das hat auch damit zu tun, dass der Boden nicht so ist, wie man sich das gemeinhin vorstellt, also Spaten rein und ruckzuck ist das Loch schon ausgehoben, sondern eher hart, echte Schwerstarbeit. Dabei wäre der November angeblich ideal für ein Bäumekind, weil es jetzt anfangen könnte zu wurzeln und dann im Frühling nur mehr ausschlagen müsste. Das ist das Schöne an Sätzen, sie können mit fallendem Laub im Herbst beginnen und mitten im  Frühling enden. Vielleicht hilft das ja. Einen Moment. Scheiß, blöder!

("Die Presse - Schaufenster", Print-Ausgabe, 13. 11. 2020)