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Interview

Massentests: "Politischer Aktionismus"

Kanzler Sebastian Kurz traf am Mittwoch die Sozialpartner und die Ärztekammer, um über Massentests zu sprechen.
Kanzler Sebastian Kurz traf am Mittwoch die Sozialpartner und die Ärztekammer, um über Massentests zu sprechen.(c) APA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)
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Unmittelbar nach einem Lockdown hätten Massentests wenig Sinn, sagt Gerald Gartlehner, Epidemiologe und Mitglied der Corona-Ampel-Kommission, im „Presse"-Interview. Künftig könnten diese aber bei regionalen Ausbrüchen helfen.

Die Presse: Sie nennen flächendeckende Massentests „politischen Aktionismus". Warum?

Gerald Gartlehner:
Noch weiß man ja nicht, was die Regierung vorhat und auch wir Kommissionsmitglieder waren von dieser Ankündigung eher überrascht. Ein einmaliges Testen der gesamten Bevölkerung – und danach klang es - hat jedenfalls keinen Sinn, weil der Test nur eine Momentaufnahme ist. Eine Wiederholung eines solchen Massentests wäre allerdings logistisch auch kaum machbar. Insofern habe ich den Verdacht, dass es um politischen Aktionismus geht. Man möchte der Bevölkerung zeigen, dass man etwas tut, damit alle wieder schöne Weihnachten haben. Wobei gerade diese Botschaft die falsche wäre. Denn leider haben wir keine perfekten Tests. Die Antigen-Tests übersehen einerseits tausende Positive, die dann glauben würden, sie könnten zu Weihnachten wieder loslegen. Anderseits lösen die Tests oft falschen Alarm aus. Wir haben das einmal auf Basis des Antigen-Tests, den Wien angekauft hat, durchgerechnet: Wenn man die Hälfte der österreichischen Bevölkerung testet, kommt man auf an die 100.000 falsch positive Tests, gleichzeitig würde man 6000 Positive übersehen. Man könnte die falsch Positiven zwar mit PCR-Tests nachtesten, aber das würde das PCR-Testsystem endgültig zum Kollaps bringen. Die Alternative wäre, dass 100.000 Menschen unnötig in Isolation müssen.

Könnte man nicht mit den neuen Lamp-Tests statt mit PCR-Tests nachtesten? Das ginge schneller.

Es wäre trotzdem noch eine enorme logistische Herausforderung.

Hat die Slowakei also unrecht, wenn sie ihren Massentest, der freilich mit dem Lockdown zusammenfiel, erfolgreich nennt?