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Logistikimmobilien

Systemrelevanz hat sich bestätigt

Immobilien
Bei Investoren weiterhin gefragt: Lagerhallen.(C) Salomon
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Trotz Covid-19 ist die Assetklasse bisher gut durch die Krise gekommen. Das hat seine Gründe.

Die Coronapandemie hat sich auf den Markt der Logistikflächen deutlich schwächer ausgewirkt als auf andere Gewerbeimmobilien-Segmente in Deutschland. BNP Paribas Real Estate geht in einem Marktbericht sogar davon aus, dass der Bedarf weiter steigen wird. Als treibende Faktoren werden der Trend zur Deglobalisierung und der Online-Boom genannt, beides ein Resultat der aktuellen Einschränkungen durch Covid-19.

Da des Weiteren die Erholung der Gesamtwirtschaft voranschreitet, ist davon auszugehen, dass die Umsätze des Sektors 2020 voraussichtlich nominal um 2,2 Prozent und real um 0,4 Prozent steigen werden. Zu diesem Ergebnis kommt der Gipfel der Logistikweisen in seiner diesjährigen Prognose zur Entwicklung des Logistikstandortes Deutschland. „Da jedoch mit Disruptionen und grundlegend neuen Geschäftsmodellen in der Logistikbranche kurz- bis mittelfristig nicht zu rechnen ist, verläuft die Transformation zögerlich“, sagt Steffen Wagner, Logistikweiser und Head of Transport bei KPMG in Deutschland. Grund dafür sei insbesondere der Mangel an Fachkräften, die den technologischen Fortschritt des Wirtschaftszweigs hemmen, gibt Wagner zu bedenken. Darüber hinaus würden aber auch neue Marktakteure die Entwicklung der Branche derzeit nur bedingt vorantreiben.

 

Flächenumsatz rückläufig

Laut BNP Paribas hat sich das Investitionsvolumen bei deutschen Industrie- und Logistikimmobilien in den ersten neun Monaten 2020 auf 5,3 Mrd. Euro belaufen, das entspricht einem Wachstum im Vergleich zum Vorjahr um 26 Prozent. „Wenngleich fast die Hälfte des Umsatzes auf das erste Quartal entfallen ist, unterstreicht der Gesamtwert dennoch das hohe Interesse nationaler und internationaler Investoren“, sagt Daniela Fischer von der Dekabank. Ein – wenn auch moderater – Rückgang musste laut Dekabank im ersten Halbjahr 2020 beim Flächenumsatz hingenommen werden. Dieser summierte sich auf insgesamt drei Millionen Quadratmeter, was einem Minus von elf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Zugleich hat die Nachfrage durch Eigennutzer um 23 Prozent abgenommen, während die Vermietungen um lediglich fünf Prozent gesunken sind. Der insgesamt vergleichsweise moderate Rückgang der Nachfrage trotz Coronapandemie sei ein untrügliches Zeichen für die Systemrelevanz der Logistikbranche, betont Fischer.

 

Interesse ungebrochen

Nach dem schwachen Halbjahr 2020 hat der Markt im dritten Quartal auch an den Standorten außerhalb der Ballungsräume wieder spürbar angezogen, heißt es bei BNP Paribas Real Estate. Großen Anteil an der positiven Entwicklung habe das Ruhrgebiet, wo ein Flächenumsatz von 468.000 Quadratmetern nicht nur einen Anstieg um 22,5 Prozent bedeute, sondern zudem das zweitbeste Resultat aller Zeiten darstelle.

Das ungebrochene Interesse an Logistikimmobilien zeigt sich zudem in einer Umfrage von Universal-Investment unter institutionellen Investoren. Während diese derzeit etwa bei Büroimmobilien eher zurückhaltend agieren, hat sich das Sentiment für Logistik von acht auf 17,4 Prozent und bei Wohnungsimmobilien sogar von 23 auf 34,1 Prozent erhöht.

Parallel zum steigenden Investmentvolumen und zu der hohen Nachfrage sind auch die Mieten im dritten Quartal weiter angestiegen. So konnten die Topmieten etwa in Frankfurt um drei Prozent auf sieben Euro pro Quadratmeter zulegen, in Leipzig um immerhin noch ein Prozent auf 4,55 Euro. Bezogen auf die letzten zwölf Monate haben die Höchstmieten auch in Düsseldorf auf sechs Euro pro Quadratmeter (plus elf Prozent), in Köln auf 5,60 Euro (plus vier Prozent) und im Ruhrgebiet auf 4,90 Euro (plus vier Prozent) spürbar angezogen, betonen die BNP-Analysten. Stabil zeigten sie sich dagegen in Berlin (7,20 €/m2), Hamburg (6,30 €/m2), München (7 €/m2) und Stuttgart (7 €/m2).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.11.2020)