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Spongebob Schwammkopf

Was uns ein Schwamm lehren kann

SpongeBob Schwammkopf: Eine schwammtastische Rettung
Ewiger Spieltrieb: Spongebob und Patrick verschlägt es in eine Unterwasser-Casinostadt.Paramount Animation
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Netflix hätte keine bessere Zeit wählen können, um den (fürs Kino produzierten) neuen Spongebob-Film herauszubringen. Fröhlich-absurde Leichtigkeit – daran gibt's gerade einigen Bedarf.

Es gibt in Krisenzeiten einigen Grund, zu Spongebob aufzuschauen. Nicht nur der beharrliche Optimismus des saugstarken Quadratschädels kann inspirierend sein. Auch dessen Resilienz. Als Kindskopf in einer Erwachsenenwelt erfährt der gelbe Schwamm in mittlerweile 511 Zeichentrick-Episoden ständige Zumutungen. Aber er zerbricht nicht daran. Aus Naivität? Weil er zu blöd ist, die herzliche Abneigung durch seinen Nachbarn, den klarinettentrötenden Oktopus Thaddäus, oder die Rachsucht des perfiden Mini-Bösewichts Plankton zu erkennen? Vor allem, weil er sich bewusst weigert, das zu tun. Er glaubt an das Gute in jedem Fisch. Er liebt sein so infantiles wie spießiges Leben in seinem Kurzarmhemd und seinem Ananas-Haus – und er lässt sich seine Freude daran schlicht nicht nehmen. Und wenn er einmal zu Boden fällt? Aufstehen, Krawatte richten, weiter blödeln.

Wie passend, dass kurz vor dem Lockdown ein neuer „Spongebob“-Film auf Netflix erschienen ist. Eigentlich fürs Kino produziert, ist er hierzulande unter den derzeit meistgesehenen Filmen der Streaming-Plattform. Surreale Leichtigkeit und gute Laune, das kann man gerade wohl gut brauchen.

Dass „Spongebob Schwammkopf: Eine schwammtastische Rettung“ im Grunde ein nicht ganz so witziger, überschwänglicher und anarchischer Abklatsch vom allerersten Spongebob-Film ist (von mittlerweile dreien, die alle auf Netflix sind), tut der tröstlich-eskapistischen Wirkung keinen Abbruch. Auch die Handlung ist eine Abwandlung von jener aus 2004. Im Zentrum steht eine Heldenreise von Spongebob und seinem loyalen, aber intellektuell minderbemittelten Seestern-Freund Patrick. Plankton hat Spongebobs miauende Hausschnecke Gary entführt und dem König Poseidon ausgeliefert, der Schneckenschleim für seine tägliche Anti-Aging-Hautpflege braucht – und der zudem dafür bekannt ist, dass er unliebsame Untertanen gerne im Rahmen von Las-Vegas-artigen Bühnenshows exekutieren lässt.

Keanu Reeves spielt einen Salbeistrauch

Die typische Absurdität beginnt, als sich Spongebob und Patrick auf dem Weg in die maritime Sündenpfuhl-Hauptstadt plötzlich in einem staubigen Westerndorf wiederfinden – über Wasser, wohlgemerkt (wobei mit physikalischen Gesetzmäßigkeiten in Bikini Bottom generell sehr frei umgegangen wird, hier gibt es auch Duschen und Fritteusen am Meeresgrund). Träumen die beiden? Zusammen, denselben Traum? Das wäre „philosophisch unhaltbar“, fachsimpelt Patrick, um gleich erstaunt festzustellen: „Wir reden wie kluge Leute! Das muss ein Traum sein.“ Im Saloon treffen die beiden nicht nur auf tanzende Cowboy-Piraten-Zombies (darunter Snoop Dogg), sondern auch auf einen Steppenroller mit dem Gesicht von Keanu Reeves, der sich den beiden als spiritueller Mentor vorstellt – im Englischen mit dem Namen Sage, was gleich doppelt im Wortsinn zutreffend sei, wie er erheitert erklärt: Sei er doch ein Weiser wie auch ein Salbei!

Das mit viel Detailfreude erzählte Abenteuer gipfelt in einer herzigen Botschaft über den Wert wahrer Freundschaft. Unterwegs wird in Rückblenden erzählt, wie sich die Figuren als Kind kennenlernten, im „Camp Coral“, wo Spongebob etwa das Eichhörnchen Sandy, das mithilfe eines Raumanzugs unter Wasser lebt, motivierte, Forscherin zu werden. Über das Ferienlager soll demnächst eine eigene Spin-off-Serie erscheinen. Im Sinne des 2018 verstorbenen Spongebob-Erfinders Stephen Hillenburg ist das nicht. Ihm ist der neue Film übrigens gewidmet: Sein langjähriger Mitarbeiter Tim Hill hat ihn inszeniert – und erstmals nicht gezeichnet, sondern vollständig computeranimiert.[QYOYB]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.11.2020)