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ÖFB-Team

Nur 1:1 gegen Norwegen: Das Resultat einer Fehlentwicklung

UEFA Nations League - League B - Group 1 - Austria v Norway
Ratlos: David Alaba.REUTERS
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Österreich kam gegen eine norwegische Not-Elf nicht über ein 1:1 hinaus, weil Fodas Auswahl spielerisch abermals enttäuschte. Der Aufstieg in der Nations League gelang dennoch.

Österreichs Fußballnationalmannschaft hat sich im abschließenden Gruppenspiel der Nations League zu einem 1:1 gegen Norwegen gemüht. Die Führung der Gäste durch Ghayas Zahid (61.) im leeren Wiener Ernst-Happel-Stadion glich Joker Adrian Grbić erst in der 94. Minute aus. Das ÖFB–Team belegte damit den ersten Platz in der Gruppe B1, der neben einer zusätzlichen Chance auf ein Ticket für die WM 2022 in Katar auch den Aufstieg in die Elitegruppe der Nations League bringt. Österreich wird sich damit bei der nächsten Auflage des Bewerbs mit Kalibern wie Frankreich, Italien oder Spanien messen.

Das Spiel gegen Norwegen war eines mit besonderen Vorzeichen. Die Nordeuropäer kamen mit einer Not-Auswahl nach Wien, nachdem die nationale Gesundheitsbehörde am Samstag aufgrund eines positiven Coronatests eines Spielers ihr Nationalteam geschlossen in Quarantäne geschickt hatte. Schon die Reise zum Auswärtsspiel nach Bukarest am Sonntag war für die Mannschaft deshalb nicht möglich. Das Spiel wurde abgesagt und von der Uefa mit 3:0 für Rumänien gewertet.

Norwegens Verband reagierte kreativ, kurzfristig wurden 18 Spieler aus ganz Europa für den Nations-League-Showdown gegen Österreich einberufen. Das Abschlusstraining am Dienstag im Happel-Stadion war die einzige gemeinsame Einheit der bunt zusammengewürfelten Mannschaft, umso beachtlicher war die Tatsache, dass die Gäste aus dem hohen Norden keineswegs weniger eingespielt wirkten als die österreichische Auswahl, die in ihrem Kern schon viele Jahre zusammenwirkt. Sechs Norweger in der Startelf kamen unverhofft zu ihrem A-Team-Debüt, einige gaben kurzfristig ihr Comeback wie etwa der Ex-Rapidler Veton Berisha.

Mutlos, selbst gegen Norwegens Not-Auswahl

Dass Norwegens Not-Elf den klar zu favorisierenden Österreichern die Stirn bot, sie über die gesamten 95 Minuten vor Probleme stellte, mag zum Nachdenken anregen, wirklich überraschend war dieser Umstand jedoch nicht. Die ÖFB–Auswahl ist zwar seit mittlerweile sechs Spielen ungeschlagen – die letzte und einzige Niederlage 2020 war das 2:3 gegen Rumänien in Klagenfurt – wirklich überzeugt hat sie aber schon länger nicht. Zu langsam, zu unpräzise, aber vor allem zu mutlos hat Österreich zuletzt agiert, ein Beleg dafür ist auch das fehlende Pressing. Aber gegen wen, wenn nicht gegen eine völlig neu formierte norwegische Mannschaft, will man Pressing spielen?

So ließ Österreich die Norweger mit jeder Minute an Spielfluss und Selbstbewusstsein gewinnen, die Gäste tauchten schon vor dem Führungstreffer durch Ghayas Zahid (61.) immer wieder gefährlich vor ÖFB-Schlussmann Pavao Pervan auf. Und die Österreicher? Sie agierten meist viel zu zaghaft, einziger Lichtblick war Marko Arnautović. Nach dem Rückstand war von einem Sturmlauf der Foda-Auswahl nichts zu sehen, auch der Last-Minute-Ausgleich durch Frankreich-Legionär Grbić (94.) kann und soll nichts beschönigen.

Mannschaft und ÖFB-Führungsriege, allen voran Teamchef Foda und Sportdirektor Peter Schöttel, sind nun gefordert, während der Winterpause für das Nationalteam Lösungen zu finden. Ansonsten geht die Fehlentwicklung 2021 ungebremst weiter.

("Die Presse", Printausgabe 19.11.2020)