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Gipfeltreffen

EU uneinig über Covid-Tests und Impfungen

(c) APA/AFP/BEN STANSALL
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Die 27 Chefs der Union ringen noch immer um eine einheitliche Strategie im Kampf gegen die Seuche.

Brüssel. Die kollabierende Luftfahrtindustrie fleht darum, die praktisch zum Stillstand gekommene europäische Tourismuswirtschaft gleichfalls, und die Europäische Kommission empfiehlt es – doch die 27 Staats- und Regierungschefs der EU konnten sich bei ihrer Videokonferenz am Donnerstagabend nicht auf ein gemeinsames Verfahren zur unionsweiten automatischen Anerkennung von Schnelltests zur Erkennung von Covid-19-Infektionen einigen. Konkret geht es um jene Antigen-Tests, die binnen Minuten statt binnen Tagen Aufschluss darüber geben, ob jemand sich angesteckt hat oder nicht. Diese schnelle Testvariante ist vergleichsweise neuartig, weltweit stürzen sich unzählige Firmen in diesen erwartungsgemäß höchst lukrativen Markt, aber es mangele noch an ausreichenden wissenschaftlichen Untersuchungen über die Verlässlichkeit dieser Tests, gab ein hochrangiger EU-Diplomat am Mittwochabend gegenüber Journalisten zu bedenken: „Die sind neu auf dem Markt. Es braucht noch mehr Forschung.“

Anders verhält es sich mit den seit Beginn der Pandemie eingesetzten PCR-Tests (jene mit dem Nasenabstrich). Hier gebe es eine überschaubare Anzahl von Laboratorien in der EU, welche sie auswerten, und zudem seien die regulatorisch gut erfasst. „Wir wissen auch, woher diese Tests kommen, welche Substanzen sie enthalten. Das ist leicht zu kontrollieren“, sagte der Diplomat. Sich darauf zu einigen, diese Tests unionsweit anzuerkennen, sei ein bloßer „Willensakt, der nur ein paar Minuten dauern würde, sobald man sich dazu durchringt“.

Allerdings erhält man die Ergebnisse dieser Tests erst, sobald sie aus einem Labor zurückgeschickt werden. Für den Flugverkehr ist das folglich keine Lösung. Derzeit setzen manche Fluglinien in der EU bereits schnelle Antigen-Tests ein, aber nur auf Inlandsflügen. Daran dürfte sich vor der Weihnachtsreisezeit voraussichtlich wenig ändern. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Kommission den Regierungen am Mittwoch die Anerkennung von Schnelltests empfahl. Sie sollten „binnen fünf Tagen nach dem Beginn von Symptomen oder binnen sieben Tagen nach Kontakt mit einem bestätigten Covid-19-Fall verwendet werden“, hält sie fest. Die Mitgliedstaaten sollten ihre Schnelltests gegenseitig anerkennen und ihre Teststrategien teilen, „um sie so weit wie möglich zu vereinheitlichen“.

 

Unmut über russischen Impfstoff

Die Frage nach dem gemeinsamen Vorgehen bei Genehmigung, Beschaffung und Verabreichung von Impfstoffen galt bisher als unstrittig. Doch mittlerweile werden erste Risse in der Allianz sichtbar. Denn Ungarn schert aus. Die ungarische Regierung will auf eigene Faust den umstrittenen russischen Impfstoff importieren, testen und gegebenenfalls in Ungarn produzieren lassen. Jedoch darf man in der EU nur dann einen Impfstoff auf den Markt bringen, wenn er zuvor von der EU-Arzneimittelbehörde EMA getestet und genehmigt worden ist. Das hat Ungarn bisher nicht getan – und macht auch keine Anstalten, es zu tun.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.11.2020)