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Innovativ

Modulhäuser: "Lego für Große"

Errichtung des Hotels „The Wood“ nahe dem Wiener Westbahnhof.
Errichtung des Hotels „The Wood“ nahe dem Wiener Westbahnhof.DPM
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Österreich gilt bei der Produktion von Modulbauten als Vorreiter. Im eigenen Land wurden bisher jedoch erst relativ wenige größere Projekte umgesetzt. Vor allem bei Gewerbeimmobilien besteht noch viel Potenzial.

Innerhalb von vier Stunden ist das Haus um jeweils eine Etage in die Höhe gewachsen“, erinnert sich Rene Kruzik an die Errichtung des Hotels „The Wood“ nahe dem Wiener Westbahnhof, das inzwischen kurz vor der Eröffnung steht. Warum der sechsstöckige Blickfang am Mariahilfer Gürtel in so rascher Zeit hochgezogen werden konnte? Das Hotel besteht aus 50 fixfertigen Massivholz-Modulen, die bei der Firma DPM in Kirchstetten vorgefertigt und per Lkw zur Baustelle am Mariahilfer Gürtel transportiert wurden. Dort mussten sie mit Hilfe eines Krans nur noch auf das Stahlbeton-Erdgeschoß aufgesetzt werden. „Lego für Große“, wie es Kruzik beschreibt. Er ist Geschäftsführer des niederösterreichischen Unternehmens Eco-Box Home, das sich als Dienstleister in Sachen Modulhaus versteht, indem es Interessenten und Anbieter zusammenbringt und den Bauprozess bis zur Schlüsselübergabe begleitet.

International gefragt

„The Wood“ ist eines der heimischen Vorzeigeprojekte, wenn es um Modulhäuser bei Gewerbeimmobilien geht. Und die sind hierzulande noch recht rar gesät, obwohl Österreich als einer der Vorreiter gilt – allerdings nur, was die Produktion betrifft. Da haben sich etliche Unternehmen, vor allem aus der holzverarbeitenden Industrie, spezialisiert oder sich ein zweites Standbein errichtet und leben vor allem von Exportaufträgen. Deutschland, Frankreich, die Niederlande, die Schweiz oder Skandinavien sind die großen Absatzmärkte. Auch in Osteuropa werden gern Module aus österreichischen Werkstätten verbaut.

Mit Hilfe eines Krans wird das fixfertige Modul auf das Erdgeschoß gesetzt.
Mit Hilfe eines Krans wird das fixfertige Modul auf das Erdgeschoß gesetzt.DPM

„Außer im Einfamilienhaus-Bereich ist der Modulbau aber noch nicht wirklich bei den heimischen Auftraggebern angekommen,“ sagt Kruzik. Dabei könne man aus Modulen auch gewerbliche Immobilien problemlos zusammensetzen –, ohne dass man ihnen die Lego-Bauweise am Ende ansieht. Leopold Heidegger, Geschäftsführer des Anbieters Mobex aus Kottingbrunn, zählt weitere Pluspunkte auf: „Die Kosten und auch der Zeitplan sind von Anfang an klar, da aufgrund der wetterunabhängigen und digitalen Vorfertigung keine Zusatzkosten durch Korrekturen oder Verzögerungen auf der Baustelle anfallen.“ Es sei sogar möglich, das Haus von Architekten planen zu lassen. „Man sollte sie nur möglichst früh in das Projekt einbinden.“

"Außer im Einfamilienhaus-Bereich ist der Modulbau aber noch nicht wirklich bei den heimischen Auftraggebern angekommen." sagt Kruzik.

Rene Kruzik, Eco-Box Home

Martina Konecka von Koma-Austria, die sich auf Modulbau aus Stahl konzentriert, verweist zudem darauf, dass Massivholz aus ökologischer Sicht zwar sinnvoll sei, Modulhäuser aus Stahl dafür aber leichter ab- und woanders wieder aufgebaut werden können – etwa, wenn ein Unternehmen seinen Firmensitz verlegt. „Dazu braucht man nur die einzelnen Module auf Lkw verladen.“ Aufgrund der kurzen Vorlaufzeit – Planung und Fertigung nehmen je nach Projektumfang einige Tage bis wenige Monate in Anspruch, die Montage vor Ort ist in Stunden bis Tagen erledigt – können Firmen, die sich für einen Modulbau entscheiden, früh mit der Arbeit beginnen, die Investitionen fließen also rasch zurück. Und: Es genügt für die Errichtung oft ein Punktfundament, man braucht also nicht immer eine großflächige Bodenversiegelung.

Der wesentliche Vorteil von Modulen sei aber die Flexibilität, heben die Experten hervor. Wenn ein Unternehmen expandiert und die Mitarbeiterzahl erhöht, dockt man beispielsweise ein Büro-Modul an – oder gibt eines zurück, wenn das Geschäft nicht so gut läuft. „Gebrauchte Module kann man gut woanders einsetzen, da auch die Nutzung flexibel ist“, sagt Konecka.

Technische Einschränkungen

Gewerbliche Modulbauten in der Größenordnung von „The Wood“ kann man in Österreich fast an einer Hand abzählen. Was es hierzulande gibt, sind Projekte bescheideneren Umfangs wie etwa Firmenbüros. Warum das so ist, erklärt man bei Purelivin, einem Tochterunternehmen von Kaufmann Bausysteme in Reutte, Tirol, mit technischen Begrenzungen: Module aus Holz stoßen an ihre Limits, wenn es größere Weiten zu überspannen gilt. Montagehallen oder dergleichen seien mit diesem Baustoff nicht zu bewältigen. Büros, Hotels oder Bildungs- und Betreuungseinrichtungen aber sehr wohl. So hat Koma einen Kindergarten in Bad Schallerbach, Kaufmann einen in Innsbruck errichtet.

"Gebrauchte Module kann man gut woanders einsetzen, da auch die Nutzung flexibel ist."

Martina Konecka, Koma-Austria

Eines der größeren Kaufmann-Projekte ist das Gesundheitszentrum Josefhof der nunmehrigen Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau in Graz mit Behandlungs-, Therapie- und Wohnräumen. Die wirklich umfangreichen Vorhaben sind aber Exporte. So war Koma in den Niederlanden für den Zubau eines Krankenhauses verantwortlich, demnächst liefert man Module nach Afrika, wo im Senegal Passagierabfertigungsbereiche und Wartehallen für mehrere Regionalflughäfen mit Modulen aus Österreich errichtet werden.

Info

Modulhäuser bestehen aus Raumzellen, die in der Werkstatt vorgefertigt werden. Meist haben die einzelnen Anbieter spezifische Modelle im Programm, Sonderanfertigungen sind aber ebenso möglich. Der Vorfertigungsgrad richtet sich nach dem Kundenwunsch und kann die gesamte Haustechnik und sogar die Innenausstattung beinhalten. Auf der Baustelle werden die einzelnen Module nur noch auf- bzw. aneinander gestapelt und miteinander verbunden.

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