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Managern fehlen Assoziationen zu KI

Studie. Künstliche Intelligenz (KI) ist für vier von zehn Führungskräften ein Thema, mit dem sie sich noch nicht so richtig beschäftigt haben, zeigt der jüngste „Hernstein Management Report“.

Spätestens seit dem ersten Corona-Lockdown werden Digitalisierung und künstliche Intelligenz (KI) intensiv diskutiert. Der aktuelle Hernstein Management Report, für den im Mai österreichische und deutsche Führungskräften befragt wurden, liefert bemerkenswerte Ergebnisse.

Auf die Frage, was sie unter KI in Zusammenhang mit Führungs- und Managementaufgaben verstehen, konnten oder wollten 41 Prozent der Führungskräfte keine Angabe machen. Für sie hat dieses Thema schlicht (noch) keine Relevanz. 15 Prozent haben technische Assoziationen dazu, zwölf Prozent nennen Entlastung und Unterstützung. Diese positiven Assoziationen sind vor allem im IT- und Telekom-Sektor, im Bau- und Immobilienwesen sowie in der Logistik anzutreffen.

„Künstliche Intelligenz ist ein Begriff, von dem jede und jeder grundsätzlich ein Bild hat“, sagt die Leiterin des Hernstein Instituts, Michaela Kreitmayer, und erklärt, warum vier von zehn Führungskräften keine Assoziation zu KI haben: „Es ist oft so, dass man sich selten Gedanken macht, wenn man nicht konkret damit zu tun hat.“ Vielfach hätten wir mit KI zu tun, ohne es bewusst zu registrieren. So basierten manche E-Mail-Spam-Filter auf KI und erleichterten uns durch die ständige Weiterentwicklung des Systems, unser E-Mail-Postfach in Ordnung zu halten. „Das akzeptieren wir, ohne weiter darüber nachzudenken. Außerdem ist es oft eine Frage der Branche, der Unternehmensgröße und der Funktion, wie intensiv man mit dem Thema in Berührung kommt“, sagt Kreitmayer.

36 Prozent der Führungskräften – besonders die unter 40-Jährigen – meinen, KI werde positive Auswirkungen auf die eigene Position im Unternehmen haben wird. 23 Prozent sehen negative Auswirkungen, (wiederum) 40 Prozent machen keine Angabe dazu.

Knapp die Hälfte der Befragten erwartet durch KI einen stärkeren Wissenstransfer über Abteilungsgrenzen hinweg. Ein Drittel sieht einen Abbau von Hierarchien.

Key Player sollen antreiben

KI verändert auch die Führungspositionen selbst, es entstehen sogenannte Key Player. Das sind Menschen, die zentrale Rollen auf Zeit übernehmen: Projektleitung, Mediation, Moderation, Coaching als Führungskräfte „on demand“. Danach kehren sie wieder zu ihren Kernaufgaben zurück. In elf Prozent der Unternehmen sind Key Player schon länger tätig, in 14 Prozent wurde mit deren Einsatz gerade begonnen. Besonders stark verbreitet sind Key Player in der IT- und Telekom-Branche (23 Prozent seit Längerem/23 Prozent seit Kurzem), im Finanzbereich (15/19 Prozent) und in der Logistik (11/17 Prozent).

Vor allem jüngere Führungskräfte bis 40 Jahre (48 Prozent) und im oberen Management (56 Prozent) finden diese Rolle sehr oder eher interessant. Befragte aus dem Telekom- und IT-Bereich halten den Einsatz am ehesten für möglich, gefolgt vom Finanzwesen und der Produktion.

„Differenziert darauf blicken“

Die Einstellung der Führungskräfte zur Digitalisierung hänge grundsätzlich von den eigenen Interessen, der jeweiligen Funktion und der Branche ab, sagt Kreitmayer. „Covid-19 war und bleibt ein Beschleuniger für die Digitalisierung. Es liegt an uns Führungskräften, differenziert darauf zu blicken: Was funktioniert gut und was ist noch verbesserungsfähig? Hauptsache ist, dass wir uns weiter mit Digitalisierungsprozessen beschäftigen und die damit verbundenen Chancen und Möglichkeiten erkennen und nutzen.“ Gerade Key Player könnten hier eine wichtige Rolle spielen, indem sie sich auf Zeit bewusst der Digitalisierungschancen annehmen.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.11.2020)