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Bauernkammer verteidigt Steuerprivileg

(c) APN (MATTHIAS RIETSCHEL)
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Die Landwirtschaftskammer fordert eine starke Ausweitung der Steuerpauschalierung. Die Grenze für die Vollpauschalierung solle auf 100.000 Euro angehoben werden, jene für die Teilpauschalierung auf 250.000 Euro.

Wien (ju). Die Landwirtschaftskammer reagiert auf einen „Presse“-Bericht über finanzielle Vorteile aus der Pauschalierung in der Landwirtschaft mit der Forderung nach einer drastischen Anhebung dieser Pauschalierungsgrenzen: Die Einheitswertgrenze für die Vollpauschalierung solle von derzeit 65.000 auf 100.000 Euro angehoben werden, jene für die Teilpauschalierung von 150.000 auf 250.000 Euro.

Vollpauschalierung bedeutet, dass Steuern ausschließlich nach dem Einheitswert berechnet werden. Es müssen keine Aufzeichnungen geführt werden, nicht einmal eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, wie sie jeder kleine Gewerbebetrieb vorlegen muss, ist nötig. Bei Verkäufen kann die Umsatzsteuer (zehn bis zwölf Prozent) verrechnet werden, sie wird aber nicht an das Finanzamt abgeführt. Bei der Teilpauschalierung müssen die Einnahmen aufgezeichnet werden, die Betriebsausgaben werden aber pauschal mit 70 Prozent der Einnahmen angenommen.

Das Beste daran: Für pauschalierte Bauern besteht eine Optionsmöglichkeit. In Jahren hoher Investitionen, wenn die Vorsteuer die für den tatsächlichen Umsatz anfallende Umsatzsteuer übersteigen würde, können sie in die Regelbesteuerung wechseln. Nach fünf Jahren ist dann wieder ein „Rückumstieg“ in die unter normalen Umständen günstigere Pauschalierung möglich.

Der Generalsekretär der Landwirtschaftskammer Österreich, August Astl, begründet die Forderung nach Ausweitung der Pauschalierung damit, dass eine echte Einnahmenermittlung mittels Einnahmen-Ausgaben-Rechnung ein „zu großer bürokratischer Aufwand“ wäre. Bei Hektarsätzen zwischen durchschnittlich 500 und 1200 Euro würde die Ausweitung der Pauschalierung bedeuten, dass selbst Großbetriebe mit 200 Hektar nur sehr eingeschränkt Aufzeichnungen führen müssten – und damit wirtschaftlich praktisch im „Blindflug“ unterwegs wären.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.08.2010)