Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl
Distance-Learning

Miniquiz und Lernvideo

Eigene Videos auf YouTube zu laden kann laut Experten Teil eines gelungenen Fernlehrkonzepts sein.
Eigene Videos auf YouTube zu laden kann laut Experten Teil eines gelungenen Fernlehrkonzepts sein.Getty Images
  • Drucken

Wieder einmal wandert der Unterricht vom Klassenzimmer in die virtuelle Welt. Tipps aus Neurobiologie und Pädagogik für gelungenen Fernunterricht.

In den vergangenen Monaten hat sich eines deutlich gezeigt: Online-Unterricht ist anstrengend. Für den Wiener Neurobiologen Bernd Hufnagl liegt der Grund dafür im menschlichen Gehirn. „Wir sehen zwar das Gegenüber und hören dessen Stimme. Aber bestimmte Signale wie Mimik und Gestik bekommen wir digital nicht so stark mit“, erklärt er. Daher werden diese fehlenden Informationen automatisch von unserem Gehirn ergänzt. „Dafür muss es aber mehr Rechenleistung aufbringen, und das ermüdet“, beschreibt Hufnagl. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum Lehrende viel Zeit in den Aufbau von Online-Unterricht investieren müssen. „Die Aufmerksamkeitsspanne ist noch geringer und die Gefahr von Ablenkungen größer“, weiß Barbara Geyer-Hayden, Studiengangsleiterin Masterstudiengang E-Learning und Wissensmanagement an der FH Burgenland.

Mehr Aktivität

Eine 45-minütige Beschallung werde daher nicht funktionieren, so die Experten. Um Kindern das Lernen im digitalen Klassenzimmer zu erleichtern, sollten die Unterrichtseinheiten vor dem Computer daher kurz und abwechslungsreich sein. „Ideal ist es, wenn man die Schüler etwas tun lässt“, sagt Geyer-Hayden und rät dazu, die Schüler beispielsweise nach einer kurzen Theorie-Einheit und einer Pause in eine Gruppenarbeit zu schicken und die Ergebnisse danach wieder gemeinsam zu besprechen. Bewährt hätten sich beispielsweise Online-Whiteboards, die von der gesamten Klasse erstellt wurden, Mini-Umfragen und Ähnliches. Auch die Suche nach YouTube-Videos, mit denen eine gestellte Aufgabe gelöst werden könne, und die daran anschließende gemeinsame Quellenkritik wären eine Möglichkeit für abwechslungsreichen, interaktiven Unterricht, meint Hufnagl. Auch Lehrende könnten Lernvideos auf dieser Plattform einbetten, sagt Margit Steiner, Institutsleitung Elementar- und Primärstufenpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich. Die Gefahr, dass die Kinder sich dann stundenlang auf der Videoplattform verlieren, würde nicht bestehen.

Schüler „wieder einfangen“

„Es gibt dabei die Möglichkeit zu verhindern, dass sie zu anderen Filmen weiterschalten“, erklärt die Institutsleiterin. Sie rät Lehrenden, beim Aufbau der Einheiten zwei Dinge im Hinterkopf zu behalten: „Einerseits sollten Kinder für die Lösung der ihnen gestellten Aufgabe nicht die ganze Zeit vor dem Computer sitzen müssen. Andererseits muss man sich überlegen, wie sie danach wieder mit den digitalen Medien eingefangen werden können“, sagt Steiner. Das sei wichtig, da beim „game-based Learning“ die Grenzen zwischen Lernen und Spielen oft rasch verschwinde. „Wenn Volksschulkinder beim Üben von Mal-Reihen einen Pokal bekommen, würden sie es stundenlang machen“, weiß Steiner. Eine Möglichkeit, das zu verhindern, sei, die Tools nur für einen bestimmten Zeitraum freizuschalten.

Motivation entscheidend

Um zu lernen, braucht es aber auch Motivation. „Da wurde in den vergangenen Monaten vieles auf die Eltern abgewälzt“, sagt Steiner. Den Schülern konkrete Aufträge zu erteilen sei ein Weg, um sie zum Mitmachen anzuregen. Ein anderer sei es, kleine Besprechungen anzusetzen. „Dabei kann man den Tag planen, den Vortag Revue passieren lassen, Bücher vorstellen, die Kinder etwas erzählen lassen oder gemeinsam singen“, beschreibt Steiner.
Um die Beziehungsebene auch beim digitalen Unterricht zu stärken, rät sie Lehrenden, eigene Lernvideos auf YouTube zu stellen. Darüber hinaus sollten sie so oft wie möglich persönlich Rückmeldungen abgeben und darauf achten, dass bei Nachrichten auch ein Foto dabei sei. „Kurze Chattermine zu zweit sind ebenfalls wichtig“, sagt Steiner.

Persönlicher Austausch

Auch Geyer-Hayden hält den Austausch mit Mitschülern und Lehrern für wichtig, um sowohl Vereinsamung als auch Unklarheiten zu vermeiden. Im Zusammenhang mit Letzteren rät sie Schülern, schneller detaillierte Angaben einzufordern, um die Aufgaben tatsächlich lösen zu können. „In der Schule kann man viel leichter nachfragen, wenn etwas unklar ist.“ Darüber hinaus sollten sich die Lernenden damit beschäftigen, wie man auch mithilfe von Videos lernen könne. „Das funktioniert nicht nur über das Anschauen. Sondern man sollte sie auch immer wieder stoppen und Wichtiges herausschreiben“, rät Geyer-Hayen.