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Bücher

Von Lilith über Cleopatra bis zu Beate

Die Geschichten selbstbewusster Frauen der Weltgeschichte, journalistisch aufbereitet.

Der frühere „Presse“-Redakteur Gerhard Jelinek ist ein produktiver Buchautor. Seinen bisherigen Bestsellern gesellt er nun ein Buch hinzu, das beim ersten Hineinlesen überrascht: Die Stories selbstbewusster Frauen der Weltgeschichte, von Cleopatra bis Beate Uhse. Und er beginnt mit der Skizze der allerersten Frau in der Menschheitsgeschichte, mit Lilith, Gefährtin von Adam im Paradies: „Selbstbewusst, selbstbestimmt, mutig, ein Geschöpf Gottes und auch ein bisschen verrückt.“ Sie will unserem biblischen Stammvater Adam nicht untertan sein, hat auch sexuell andere Ideen – so kommt es zum Gezänk und Lilith pfeift ihrem Herrn und Gebieter was: Sie entschwebt himmelwärts, sodass Adam (der eine recht klägliche Rolle spielt) Gottvater bitten muss, ihm eine zweite Frau zusammenzubauen – Eva –, die ihm leider auch wenig Fortüne einträgt. Die Geschichte mit dem Apfel (der eine Feige in Mesopotamien gewesen sein könnte) und der Vertreibung aus dem Paradies darf als hinlänglich bekannt vorausgesetzt werden.

Das Eigensinnige, Widerspenstige, Verführerische – dies ist all den Damen gemein, die uns Jelinek vor Augen führt. Er tut's in routinierter Erzählkunst, in fein paketierten Kapiteln, von Mathilde von Quendlinburg bis Bertha von Suttner, von Eugenie Schwarzwald und Pola Negri bis Wallis Warfield Simpson. Manche Namen sind nicht gerade geläufig, umso interessanter werden die Lebenslinien nachgezeichnet. Im Neuen Testament bezeugt Maria Magdalena als Erste und Einzige die Auferstehung ihres „Meisters“. Die anderen Apostel vernehmen aus ihrem Munde das Wunder. Jelinek: „Sie war mutiger und wagte sich ans Grab des Gekreuzigten, die Männer blieben im Versteck.“

Da ist die keltische Stammesfürstin Boudicca, die auf der britischen Insel Hunderttausende Krieger gegen die römische Besatzung aufbietet, Terror, Angst und Schrecken verbreitet und erst, als 70.000 römische Siedler und romanisierte Bauern umgebracht sind, im Jahre 61 n. Chr. getötet werden kann.

Noch heute wundert man sich, warum die Wienerin Lise Meitner nicht den Nobelpreis des Jahres 1944 erhielt, sondern ihr Kollege Otto Hahn. Dabei hatte sie doch erstmals die Geheimnisse der Atomspaltung („Atomzerplatzen“) physikalisch-theoretisch beschrieben.

Vorher schon, im Biedermeier, verliebt sich der bayerische König Ludwig I. unsterblich in Madame Maria Dolores Elisa Gilbert, geboren um 1818 in Irland. Die Tänzerin bringt als Lola Montez die Männerwelt Münchens um den Verstand – und den König um seine Krone. Als allzu splendabler Liebhaber muss er der bürgerlichen Revolution weichen. Lola Montez kann fliehen. Nach unzähligen weiteren Affären stirbt der „Vamp“ 1861 in New York.

Kämpferischer gab sich die Britin Emmeline Pankhurst, eine Bürgerliche aus der Industriemetropole Manchester. Als lautstarke Anführerin der „Sufragetten“ attackierten sie und ihre Mitstreiterinnen die Machos an der Macht. Der Adelige Winston Churchill diente ihr als bevorzugter Reibebaum. Im Kampf um Gleichberechtigung der Frauen schreckte sie vor nichts zurück. Und sie siegte, weil sich die englische Regierung auf den jahrelangen Kleinkrieg einließ.

Flott zu lesen, interessant im Detail, journalistisch einwandfrei aufbereitet. Man freut sich auf eine Fortsetzung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.11.2020)