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Anschober: "Die Pandemie ist keine Natur­katastrophe"

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne)
Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne)APA/GEORG HOCHMUTH
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Noch immer seien die Infektionszahlen mit dem Coronavirus „dramatisch hoch“, sagt der Gesundheitsminister. Langsam wirke der zweite Lockdown aber. Komplexitätsforscher Klimek ergänzt: „So etwas wie die Wirksamkeit gibt es nicht.“

„Die Pandemie ist keine Naturkatastrophe, kein Erdbeben, kein Tsunami, wo man sich oft hilflos fühlt, bei der Pandemie haben wir es in der Hand, gegenzusteuern.“ Mit diesen Worten begann Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Montag seine erste Pressekonferenz dieser Woche. Deren Anlass: Ein Blick auf die aktuelle Coronasituation im Land - am siebenten Tag des zweiten, harten Lockdowns alias „Tag 21 des Teillockdowns“.

Bis letzterer überstanden ist - geplant ist sein Ende für den 6. Dezember - werden jedenfalls noch zwei Wochen vergehen, so Anschober. Sofern in den kommenden vierzehn Tagen die Neuinfektions- und Todeszahlen deutlich nach unten gehen. Noch sei die Situation nämlich „dramatisch“, die Zahlen „dramatisch hoch“. Konkret: In den vergangenen 24 Stunden seien 3145 neue Infektionen mit dem Coronavirus vermeldet worden, 71 Menschen seien in Zusammenhang mit Covid-19 verstorben.

„Wir merken in ersten Ansätzen, dass er (der zweite Lockdown, Anm.) langsam und vorsichtig zu wirken beginnt“, meinte Anschober und appellierte an die Bevölkerung, weiterhin soziale Kontakte einzuschränken, auf Masken und Hygienemaßnahmen sowie Mindestabstände zu achten. Die kommenden zwei Wochen seien entscheidend, mahnte er: „Wir müssen bis zum Ende des harten Lockdowns noch einen weiten Weg nach unten gehen.“ Wesentlich sei diesbezüglich der Reproduktionsfaktor. Da wolle man deutlich unter eins, am besten unter 0,9 oder sogar Richtung 0,8 kommen.

Auch gab Anschober zu bedenken: Man wisse aus den vergangenen Monaten, dass am Montag meist weniger Meldungen eingehen, da kleinere Labors über das Wochenende nichts einmelden. Deren Auswertungen fließen dann erst ab Dienstag in die Statistiken ein.

Klimek: „So etwas wie die Wirksamkeit gibt es nicht“ 

Anschober trat am Montag nicht alleine an die Öffentlichkeit. Nach ihm präsentierte Peter Klimek vom Complexity Science Hub Wien eine Studie zur Wirksamkeit von Maßnahmen. Hierfür habe man sich die Zeit von März bis April angesehen und einen Vergleich von mehr als 200 Ländern gemacht. Ein Fazit: „So etwas wie die Wirksamkeit gibt es nicht", betonte der Komplexitätsforscher. Man könne eine Maßnahme nie isoliert von allem anderen betrachten.

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Was man aber durchaus sagen könne: Restriktionen für Zusammenkünfte von Menschen, etwa Treffen von maximal 50 Personen oder die Einführung von Homeoffice, hätten sich am deutlichsten niedergeschlagen. Auch die Schließungen von Bildungseinrichtungen hätten Effekte gebracht. Allerdings räumte er ein: Derartige Schließungen seien in der Wissenschaft umstritten, da es „Nebenwirkungen“ gebe - etwa, dass, wenn Kinder und Jugendliche daheim sind, auch Eltern daheim sein müssten, was sich wiederum beispielsweise auf den Handel auswirke, wo dann Personal fehle.

„Gezieltes, gesichertes Öffnen“ im Dezember

Zu bedenken gab Klimek überdies, dass mit jeder Lockerung von Maßnahmen das Risiko einer weiteren Infektionswelle mit dem Coronavirus steige. Anschober ergänzte hierzu: Mit dem 7. Dezember werde „nicht alles wie vorher sein". Vielmehr werde es Schutzmaßnahmen - ein „gezieltes, gesichertes Öffnen“ - brauchen, um nicht „nach den Feiertagen in eine dritte Welle zu stolpern“.

Die Zahlen auf einen Blick

In den vergangenen 24 Stunden starben nach Angaben des Gesundheitsministeriums weitere 71 Personen mit oder an Covid-19. Insgesamt forderte die Pandemie in Österreich damit bis dato 2459 Menschenleben. In Alters- und Pflegeheimen gab es seit Sonntag ein Plus von vier Erkrankten (insgesamt 2748 aktive Fälle).

Mit Stand Montag sind laut Innenministerium 175.527 mit Covid-19 infizierte Personen seit Beginn der Zählung wieder genesen. 4548 Personen befinden sich momentan in Zusammengang mit Covid-19 in Behandlung in einem Krankenhaus, davon 685 auf Intensivstationen.

Die Neuinfektionen mit Sars-CoV-2 teilen sich wie folgt auf: Burgenland 149, Kärnten 215, Niederösterreich 592, Oberösterreich 558, Salzburg 242, Steiermark 330, Tirol 323, Vorarlberg 157, Wien 579.