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Grüne Kolchose

Der Minister für öffentliche Gesundheit der Region Brüssel ist ein passionierter Fettnapfspringer.

Alain Maron ist Minister der Region Brüssel, als solcher hat er alle Hände voll zu tun: Für Energie, die Umwelt, den Klimawandel, die Bürgerbeteiligung, aber auch für die öffentliche Gesundheit und die Brüsseler Pflege- und Seniorenheime ist er zuständig. Vor allem aber ist Monsieur Maron ein passionierter Fettnapfspringer.

Vor ein paar Wochen beispielsweise erklärte er, er sei gegen zu viele Coronatests, denn deren Entsorgung stelle ja eine bedeutsame Umweltbelastung dar. Im Juni verkündete er, eine Avenue mitten in Brüssel solle in ein Getreidefeld umgewandelt werden, dessen Ernte „dazu dienen könnte, Brot zu machen, das in einem kommunalen Gemeinschaftsofen gebacken wird“.

Am Montag legte der Spitzenkandidat der Brüsseler Grünen bei der Kommunalwahl 2019 nach: Die Region Brüssel wolle landwirtschaftliche Grundstücke im brabantischen Umland kaufen, um dort „eine lokale Landwirtschaft zu fördern, die einen Teil der Brüsseler Bevölkerung ernähren könnte“. Die beiden marginalen Problemchen, dass Brüssel erstens schwerst überschuldet und zweitens agrarisches Land im dicht besiedelten Belgien sauteuer und für belgische Jungbauern oft unerschwinglich ist, bekümmern ihn nicht.

Wir verstehen das. Warum sollten im Jahr 2020 nicht auch die Grünen dem Charme der Kolchose verfallen dürfen?


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.11.2020)