Krimi um Kasachen-Spione: Urteile als Abfuhr an Anklage

Krimi KasachenSpione Anklage will
Krimi KasachenSpione Anklage will(c) Michaela Bruckberger
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Vier Männer mussten sich in Wien wegen versuchter Entführung verantworten. Als Opfer nennt die Anklage den früheren kasachischen Ex-Geheimdienstchef Alnur Mussajew.

WIEN. Fortsetzung im Spionagekrimi um die versuchte Entführung des kasachischen Ex-Geheimdienstchefs Alnur Mussajew: Am Donnerstag befasste sich ein Wiener Geschworenengericht mit der – auch diplomatisch – heiklen Angelegenheit. Vier Angeklagte (einer davon war zur Tatzeit noch nicht 21 Jahre alt, weshalb vor einem Jugendgericht verhandelt wird) bekannten sich „nicht schuldig“ im Sinne der Anklage. Diese lautete auf versuchte Überlieferung an eine ausländische Macht. Darauf stehen bis zu 20 Jahre Haft.

Das im Hintergrund der gescheiterten Entführung – Tattag: 22. 9. 2008 – stehende Geflecht aus kasachischen Geheimdienstlern wurde von Staatsanwalt Hans-Peter Kronawetter anhand einer Schautafel illustriert. Schon im Juli 2008 war eine ähnliche Entführungsaktion schiefgegangen.

Die gegenständliche Aktion im Einzelnen, Teil eins: Mussajew wird von einigen Männern (nach zwei Tätern wird noch gesucht) in sein eigenes Auto gedrängt, dort wird ihm eine Pistole an den Kopf gehalten. Seine Lebensgefährtin wird mit Schlägen eingeschüchtert und sitzt ebenfalls im Auto. Teil zwei (laut Anklage): Mussajew – er wurde in Kasachstan in Abwesenheit verurteilt – soll gezwungen werden, einem anderen Auto zu folgen, mit dem Ziel: kasachische Botschaft in Wien Döbling.

Teil drei (so weit kommt es aber nicht): Der Ex-Geheimdienstboss hätte in sein Heimatland überstellt werden sollen. Die Sache ging schief, da die verhinderten Entführer nicht mit Mussajews Gegenwehr rechneten. Ihm und auch der Frau gelang die Flucht.

Hintergrund der Aktion: Die kasachische Führung ist nicht nur an der Rückkehr Mussajews interessiert. Auch der kasachische Exbotschafter in Wien, Rakhat Alijew, der als Vertrauter von Mussajew galt, soll nach dem Willen Kasachstans aus Österreich ausgeliefert werden. Alijew wird von einem früheren Mitarbeiter mit dem Tod einer jungen Frau im Libanon in Verbindung gebracht. Alijew weist das zurück. Auch er wurde in Abwesenheit verurteilt. Zu 40 Jahren Haft wegen Entführung und Bildung einer Mafiaorganisation.

Pleite für die Anklage

Der Chauffeur jenes Autos, dem Mussajew folgen sollte, war laut Anklage ein gewisser Nurlan Abzhanov, einst Botschaftsrat in Berlin. Er wird vom österreichischen Verfassungsschutz als Spion eingestuft. Die Anklagebehörde führt ihn als „abgesondert Verfolgten“, mit der Verfolgung dürfte es aber nichts werden, da der Mann längst wieder in seiner Heimat ist.

Sch. (29), der erste der vier nun Angeklagten, ein Deutscher kasachischer Herkunft, erklärt, er sei angeheuert worden, um Detektivdienste zu leisten (Ausforschung von Mussajew). Wegen der Aktion mit dem Auto bekenne er sich der versuchten Nötigung schuldig. Verteidiger Philipp Winkler erklärt, Sch. habe nicht gewusst, dass es sich um eine Geheimdienstaktion gehandelt habe. Der Zweit- und der Drittangeklagte sollen als Mittelsmänner fungiert haben. Auch sie wollen von den Hintergründen nichts mitbekommen haben. Der vierte und jüngste Angeklagte, D. (die drei stammen aus Slowenien), gibt an, zur Tatzeit in Bosnien gewesen zu sein.

Das Urteil schließlich – eine Pleite für die Anklage: von wegen versuchte Überlieferung an eine ausländische Macht. Es war „nur“ schwere Nötigung. Daher teilbedingte Haftstrafen, die durch die 17-monatige U-Haft abgebüßt sind. Die Angeklagten sind wieder freie Männer.

Auf einen Blick

Spionagekrimi. Vier Männer mussten sich am Donnerstag in Wien wegen versuchter Entführung verantworten. Als Opfer nennt die Anklage den früheren kasachischen Ex-Geheimdienstchef Alnur Mussajew.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.08.2010)

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