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Sonderpreis Inklusion:

Teamarbeit schafft Mehrwert

Zusammenarbeit ist beim KI-I-Team in Linz-Urfahr der Schlüssel zu Erfolg.(c) Haus St. Josef am Inn
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Sonderpreis für herausragende Leistungen geht ans Kompetenznetzwerk Informationstechnologie zur Förderung der Integration von Menschen mit Behinderungen.

Am Anfang waren wir ein Team von sieben oder acht Technikern“, erzählt Franz Pühretmair, Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter des KI-I, eines Teams, das sich zur Aufgabe gesetzt hat, die Forschung rund um die Themen Barrierefreiheit und die Bedienbarkeit moderner Informations- und Kommunikationstechnologien voranzutreiben. Der Schwerpunkt der Forschung lag damals sowie heute in der Frage, wie technische Hilfsmittel, Services und Dienstleistungen gestaltet sein müssen, um die Lebenssituation von Menschen mit Beeinträchtigung zu verbessern und um ihre Selbstständigkeit zu erhöhen.

Von Anfang an mit dabei war Gerhard Nussbaum, stellvertretender Geschäftsführer und technischer Leiter, der selbst im Rollstuhl sitzt. Im Lauf der Zeit wurde das Betätigungsfeld des Kompetenznetzwerkes sukzessive erweitert. So stießen etwa 2012 im Rahmen eines Evaluierungsprojektes acht weitere Mitarbeiter mit kognitiven Beeinträchtigungen zum Team. „Diese waren und sind für uns Forscher eine wertvolle Bereicherung, weil sie dazu beitragen, die Welt aus anderen Blickwinkeln zu sehen“, meint Pühretmair. Eingesetzt werden diese Mitarbeiter unter anderem in der Peer-Evaluation. Ihnen fällt die Aufgabe zu, im Rahmen von Untersuchungen zur Qualitätssicherung von Einrichtungen der Behindertenhilfe Interviews mit den Bewohnern durchzuführen. Diese Gespräche finden unter vier Augen statt und tragen dazu bei, bessere Untersuchungsergebnisse zu liefern.

Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit, der im Lauf der mittlerweile 17-jährigen Geschichte des Netzwerkes dazugekommen ist, ist der Abbau von Barrieren auf der inhaltlichen Ebene. So wurden gemeinsam mit Juristen des Landes Oberösterreich Methoden entwickelt, wie komplex formulierte Bescheide zum oberösterreichischen Chancengleichheitsgesetz in juristisch gültige Bescheide in leicht verständlicher Sprache umgewandelt werden können. „Diese Zusammenarbeit mit der Abteilung Soziales des Landes Oberösterreich ist – was die Bescheide betrifft – meines Wissens in Österreich einzigartig“, sagt Pühretmair.

 

Verantwortung übertragen

Eine vielfältige Arbeit, die überzeugt, wie die Jury der Essl Foundation in ihrer Begründung zur Verleihung des Sonderpreises erklärt: „Das oberste Ziel ist es, zum Empowerment von Menschen mit Behinderungen beizutragen, alle Dienstleistungen im Bereich technischer und inhaltlicher Barrierefreiheit, partizipativer Forschung und Qualitätsevaluierung, Peer-Beratung und inklusiver Weiterbildungsangebote unterstützen dieses Ziel. Es wird erkannt, dass dieses Ziel ohne die Kolleginnen und Kollegen mit Behinderungen nicht in der gewünschten Qualität erreicht werden kann – weshalb mehr als die Hälfte der Mitarbeiter Menschen mit Beeinträchtigung sind. Durch die Zusammenarbeit von Menschen mit und ohne Behinderungen wird ganz gezielt ein Mehrwert geschaffen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.11.2020)