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Autostadt

Kampf um MAN in Steyr ist noch nicht aufgegeben

Das Werksgelände von MAN in Steyr – noch ist ungewiss, ob der Lkw-Bauer bleibt oder zu sperrt.(C) APA/Foto Kerschi.at/Werner Kerschbaummayr
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Während Steyr und Oberösterreich gegen die Abwanderung von Lkw-Hersteller MAN kämpfen, hat BMW Motoren gerade in die nächste Ausbaustufe investiert. Zwei Ansichten einer Stadt.

Seit 100 Jahren beherrscht die Auto- und Autozulieferindustrie das Stadtbild von Steyr – und bildet das wirtschaftliche Fundament der alten Eisenstadt. Zwei Weltkonzerne haben heute große Werke in Steyr: BMW und MAN. Während die BMW Motoren GmbH, die 1979 nach Steyr gekommen ist und dort seit 1982 Motoren produziert, gerade wieder das Werk ausbaut, hat MAN vor Kurzem verkündet, den bis 2030 geltenden Standortvertrag vorzeitig aufzukündigen und die Lkw-Produktion mit 2023 abzuziehen. MAN ist seit 1989 in Steyr und hat damals das Industriegelände der Steyr-Werke und die Lkw-Produktion der filetierten Steyr Daimler Puch AG übernommen.

Für Steyr geht es um viel. Denn BMW mit rund 4500 Beschäftigten und MAN mit rund 2300 Beschäftigten sind nicht nur die größten Arbeitgeber der Stadt, sondern auch die größten Kommunalsteuer-Zahler. Laut dem Steyrer Bürgermeister, Gerald Hackl, liefert BMW jährlich rund sieben Millionen Euro an Kommunalsteuer ab – und das MAN-Werk legt jährlich rund vier Millionen Euro in die Gemeindekasse.

Aber es geht vor allem um die 2300 MAN-Jobs, um die Hackl kämpfen will. „Der Schulterschluss mit dem Land Oberösterreich ist dabei eng.“ Erst diese Woche hat es wieder Gespräche mit dem Landeshauptmann und dem MAN-Betriebsrat gegeben. „Ich bin optimistisch, dass die angekündigte Werksschließung nicht kommt und es eine Lösung geben wird, damit der Standort erhalten bleibt.“

Was den Steyrer Bürgermeister dabei zuversichtlich stimmt, sind zwei Dinge. Der MAN-Vorstand wisse um die Qualität des Fachpersonals und des Standorts Steyr. Und: „Ich kann mir juristisch nicht vorstellen, dass MAN vertragsbrüchig wird.“ Denn bei der geplanten Standortaufkündigung müsste der Lkw-Hersteller laut Hackl „formaljuristisch rund 1,5 bis 1,8 Milliarden Euro an Abfertigungen für die bis 2030 laufenden Verträge in die Hand nehmen.“

Natürlich könne sich MAN solche Riesensummen leisten, meint Hackl, „aber ob man das tun will und einen produktiven und in den schwarzen Zahlen befindlichen Standort schließt“, sei eine andere Sache.
Sollte MAN seine Entscheidung ändern und in Steyr bleiben, kann sich Bürgermeister Hackl auch finanzielle Unterstützung vorstellen: „Wenn es ein Fortführungskonzept gibt, gibt es viele Möglichkeiten, wo sich die öffentliche Hand beteiligen kann.“ Gäbe es so einen Businessplan für das nächste Jahrzehnt, „wird es auch Anforderungen für neue Produkte geben“. Das würde dann auch Geld für F&E benötigen, meint Hackl.
Wie am Schnürchen läuft es hingegen bei BMW Steyr. Das größte Motorenwerk des deutschen Autokonzerns hat gerade angekündigt, 102 Millionen Euro für eine neue Montagelinie für Vier- und Sechs-Zylinder-Benzinmotoren zu investieren. Schon jetzt werden jährlich mehr als 1,2 Millionen Motoren und 12,9 Millionen Kernkomponenten in Steyr produziert.