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Adolf Hitler im Wiener Wahlkampf?

Bürgermeister Michael Häupl attackiert FP-Chef Heinz-Christian Strache frontal. Und zitiert aus Joseph Goebbels Tagebüchern.

Michael Häupl is back in town. Das jedenfalls steht seit dem gestrigen Tag definitiv fest. Es war heiß am Donnerstag in Wien, vielleicht zum letzten Mal in diesem Sommer. Und der Bürgermeister war heiß. So heiß, wie noch nie in diesem Sommer. So heiß, dass er, was als Präsentation von fast drei Dutzend Kandidaten der SPÖ mit Migrationshintergrund gedacht war, in eine One-Man-Show umfunktionierte. Und tat, was (wahl)kampferprobte Männer eben gern so tun, wenn es um Stimmen, Macht und Posten geht: Er attackierte den politischen Gegner – frontal, heißt es dann gern. Brutal wäre in diesem Fall vielleicht treffender.

Und als den Gegner dieses Wahlkampfes hat Wiens SPÖ die FPÖ unter Obmann Heinz-Christian Strache definiert. Der bettelt diese Auseinandersetzung ja schon seit Monaten herbei. Nun hat er sie. Und wie. Ohne den Plakat- und allerlei anderen Sprüchen der FPÖ explizit NS-Jargon vorzuwerfen, ist die Botschaft Michael Häupls für alle, die es hören wollen, klar: Wir, die SPÖ, sind das Bollwerk gegen den Faschismus. Ohne die SPÖ versinkt Wien im Chaos, drohen „brennende Häuser“, wie der Bürgermeister in einem gleichfalls gestern erschienenen Interview wörtlich meinte. Knapp übertrieben ist auch übertrieben. Einmal in Rage bemühte Häupl sogar Zitate aus Tagebüchern von NS-Propagandachef Goebbels. Wer weiß, was alles bis 10. Oktober passiert. Ob auch noch Adolf Hitler im Wahlkampf auftaucht?


dietmar.neuwirth@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.08.2010)