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Interview

Wirtschafts­psychologe Kirchler: „Nach der Öffnung werden wir die Massen auf den Straßen sehen“

Nicht nur die meisten Geschäfte sind geschlossen, auch Museen (hier das Naturhistorische Museum in Wien) und Ausstellungen sind vom Lockdown betroffen.
Nicht nur die meisten Geschäfte sind geschlossen, auch Museen (hier das Naturhistorische Museum in Wien) und Ausstellungen sind vom Lockdown betroffen.(c) APA/HELMUT FOHRINGER
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Der Wirtschaftspsychologe Erich Kirchler über das Herdenverhalten beim Einkaufen und warum eine gestaffelte Öffnung nach dem Lockdown sinnvoll wäre.

Die Presse: Wir befinden uns mitten im Lockdown. Was löst es bei uns aus, dass wir unseren gewohnten Konsumdrang plötzlich nicht mehr stillen können?

Erich Kirchler: Aus psychologischer Sicht wird der Lockdown vor allem als Einschränkung der gewohnten Freiheitsräume erlebt. Wenn die eigene Freiheit eingeschränkt wird, ist die erste Tendenz beim Menschen Gegenwehr, um die verlorene Freiheit wiederzuerlangen. Wir versuchen also, das Gewohnte zurückzuerobern. Bei vielen kommt dann aber die Einsicht, dass dieser Verzicht eben gerade nötig ist. Andere bleiben verärgert und stellen sich quer.



Das Konsumklima hat sich schon vor dem Lockdown verschlechtert.

Viele Menschen sind verständlicherweise verunsichert. Sie machen sich materielle Sorgen über die Zukunft und Gedanken darüber, ob sie bestimmte Dinge wirklich benötigen. Anderen wird in der Zeit des Lockdown klar, was sie davor unreflektiert gekauft haben und sie werden überlegter konsumieren. Im Gegensatz dazu haben viele jetzt aber auch mehr Zeit und wissen nicht, wie sie mit ihr umgehen sollen. Sie kaufen aus Langeweile online.