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Grünes Licht für Mega-Kraftwerk im Amazonas-Gebiet

Mega-Staudamm Brasilien Proteste
(c) REUTERS (Str)
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Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva hat grünes Licht für den Bau des weltweit drittgrößten Wasserkraftwerks gegeben. Eingeborene und Kirche laufen gegen das Projekt Sturm.

Trotz massiver Proteste von Umweltschützern hat Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva grünes Licht für das im Amazonas-Gebiet geplante drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt gegeben. Er unterzeichnete am Donnerstag (Ortszeit) einen Konzessionsvertrag mit dem Konsortium Norte Energia SA, das für 35 Jahre die Nutzungsrechte an dem Kraftwerk Belo Monte am Xingu-Fluss im Bundesstaat Pa hat.

Dem auch für den Bau verantwortlichen Konsortium gehören 18 staatliche und private Firmen sowie brasilianische Pensionsfonds als Investoren an. Das umgerechnet etwa 8,5 Milliarden Euro teure Kraftwerk soll in der ersten Phase 2015 in Betrieb gehen. Es wäre mit einer Leistungskapazität von über 11.000 Megawatt das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt, nach dem Drei-Schluchten-Staudamm in China und dem binationalen Itaipu-Werk an der Grenze Brasiliens zu Paraguay.

Umweltschützer laufen Sturm gegen Kraftwerk

Die Regierung hält das Wasserkraftwerk zur Sicherung der Energieversorgung für notwendig. Die am und vom Xingu-Fluss lebenden Indios, die katholische Kirche, Menschenrechtler und Umweltschützer laufen dagegen Sturm gegen das Projekt. Sie befürchten unkalkulierbare Auswirkungen auf die Umwelt und sehen die Lebensgrundlagen der Indios massiv bedroht. Mindestens 17.000 Menschen müssen umgesiedelt werden. Zudem bezweifeln die Kritiker den wirtschaftlichen Nutzen der Anlage.

An der Spitze des Widerstandes am Mega-Staudammprojekt steht seit Jahren der aus Österreich stammende Bischof Dom Erwin Kräutler. Als Bischof der Diözese Xingu und als Präsident des Indianer-Missionsrates (CIMI) Brasiliens hat er immer davor gewarnt, dass das Projekt zu einem "sozialen und ökologischen Chaos" führen werde. Mit Enttäuschung und Protest reagierte CIMI unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Entscheidung. Dieser Akt der Regierung sei ein "skandalöser Affront gegen internationale Menschenrechtskonventionen, die brasilianische Gesetzgebung und die Verfassung des Landes", heißt es in einem von zahlreichen Initiativen unterstützen Manifest. Bei einem Gespräch von Bischof Kräutler mit Präsident Lula hatte der Präsident versichert, Belo Monte "nicht auf Biegen und Brechen durchzusetzen". Dieses Versprechen wurde nicht gehalten, bedauerte CIMI.

Österreichs Kirche gegen Kraftwerk

Unterstützung erhalten die Kraftwerksgegner von der katholischen Kirche in Österreich: "Wir lehnen das Projekt 'Belo Monte' grundsätzlich ab", so Bischof Ludwig Schwarz, der Vorsitzender der Koordinierungsstelle der Bischofskonferenz für Entwicklung und Mission (KOO). "Wir werden das Projekt weiterhin genau beobachten und die betroffenen Menschen bei ihren legitimen Anliegen in Brasilien unterstützen", so Bischof Schwarz in einer Stellungnahme am Freitag gegenüber "Kathpress".

Kardinal Christoph Schönborn hatte sich im Juni direkt an Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) gewandt und diesen gebeten, alles Mögliche seitens der Republik und der Europäischen Union zu unternehmen, die brasilianische Staatsführung von dem Projekt abzubringen. Der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz wies dabei auf die - weit über Brasilien hinaus - spürbaren Auswirkungen des Projektes hin, vor allem die zu befürchtenden Umsiedlungen von indigenen Völkern sowie die ökologischen Auswirkungen auf die für das Weltklima wichtige und sensible Amazonasregion.

Bereits im Februar 2010 hatten die KOO und die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar in einem Protestbrief auch die österreichische Politik und Wirtschaft vom zweifelhaften Projekt informiert. Die kirchlichen Entwicklungshilfeeinrichtungen wandten sich dabei u.a. an Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP), Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl (ÖVP) sowie an die parlamentarischen Entwicklungssprecher Petra Bayr (SPÖ), Franz Glaser (ÖVP), Judith Schwentner (Grüne) und Johannes Hübner (FPÖ).

(APA)