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Warum OMV, Erste und Co. so stark steigen

Seit einigen Wochen, erlebt der ATX so etwas wie eine Wiederauferstehung.
Seit einigen Wochen, erlebt der ATX so etwas wie eine Wiederauferstehung.(c) REUTERS (Heinz-Peter Bader)
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Der heimische Aktienmarkt wurde von der Coronakrise besonders hart getroffen. Turnaround gibt es heuer zwar noch keinen, zuletzt gab es aber zweistellige Kursgewinne.

Wien. Die Performance des heimischen Leitindex lässt in diesem Jahr, sagen wir es so, zu wünschen übrig. Seit Anfang Jänner beläuft sich das Minus im ATX auf rund 19 Prozent. Die Wiener Börse ist mit ihrem Schicksal zwar nicht allein, doch gibt es Indizes, die weitaus besser abgeschnitten haben. Selbst in Europa. Dazu zählt etwa der Frankfurter DAX. Dessen Preisindex (also jener Index ohne Dividenden) notiert mit rund 2,5 Prozent zwar auch im roten Bereich. Aber eben nicht so stark. In Zeiten wie diesen muss man bekanntlich kleinere Brötchen backen.

Seit einigen Wochen aber, da erlebt der ATX so etwas wie eine Wiederauferstehung. Seine Performance seit September liegt bei beachtlichen 16 Prozent, das Plus seit November fällt mit rund 26 Prozent noch beeindruckender aus.

Doch was sind die Gründe dafür? Nun ja, Unternehmen wie der Faserhersteller Lenzing, der Caterer Do & Co, der Stahlkonzern Voest, der Anlagenbauer Andritz oder die OMV wurden von der Coronakrise besonders hart getroffen. Zyklische Werte, also jene, die sich im Gleichklang mit dem Konjunkturverlauf bewegen, will in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit einfach niemand haben. Und von diesen gibt es im ATX enorm viele.

 

Impfstoff treibt Kurse

In den vergangenen Wochen jedoch keimte auf den Finanzmärkten so etwas wie Hoffnung auf. Meldungen über Durchbrüche bei der Corona-Impfstoffentwicklung ließen Anleger jubeln. Denn ist das Mittel erst einmal verteilt, kann mit dessen Verabreichung begonnen werden. Und dann steht einem fast normalen Leben nichts mehr im Weg. Im Idealfall kehrt dann auch die wirtschaftliche Erholung zurück. Was jene Unternehmen, die an der Börse heuer besonders hart abgestraft wurden, nun am meisten freut. „Die, die in der ersten Jahreshälfte am meisten verloren haben, haben nun das höchste Aufwärtspotenzial“, sagt Erste Group-Analyst Christoph Schultes. Die Vorstellung davon, dass sich alles zum Guten wendet, wird also in den Kursen vorweggenommen.

Weshalb sich etwa die Papiere von Do & Co seit Anfang November um 70 Prozent verteuerten. Auch die Ölwerte OMV und Schoeller-Bleckmann legten um über 50 bzw. rund 40 Prozent zu. Die Aussicht auf einen Aufschwung ließ zuletzt nämlich auch die Ölpreise (in der Hoffnung auf eine verstärkte Nachfrage) klettern. Selbst Bankaktien gingen ordentlich durch die Decke. Ein Bild, dass es so eher selten gibt. Bei Banken gibt es im Wesentlichen drei Ergebnistreiber. Das Zinsgeschäft, das Kommissionsgeschäft und die Risikokosten. Letztere steigen im Abschwung, weil dann nicht nur die Arbeitslosigkeit zulegt, sondern auch die Kreditausfälle. Entwickelt sich die Konjunktur positiv, bleibt den Banken ein Negativszenario erspart und sie müssen geringere Rückstellungen bilden.

Dass die Ergebnisse vieler Unternehmen in den vergangenen Monaten alles andere als prickelnd waren, spielt nun keine Rolle mehr. „Was in der Vergangenheit war, ist gegessen“, sagt Schultes. Das Geschäftsjahr ist für die Unternehmen aber noch nicht zu Ende. „Für viele wird das vierte Quartal noch schwer werden“, glaubt der Analyst. Die Zahlen für das ablaufende Kalenderjahr werden meist erst ab März veröffentlicht.
Für die noch ausstehenden Handelswochen in diesem Jahr zeigt sich Schultes jedoch optimistisch. Für Dezember erwartet er eine positive Performance im ATX. „Und dann sollte es schon die ersten Zulassungen für Corona-Impfstoffe geben.“ Der positive Newsflow sollte also nicht so schnell abreißen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.11.2020)