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Sberbank

Wie aus einer russischen Bank ein Techgigant wird

Die staatliche Sberbank, die größte Bank Osteuropas, hat nicht nur Geld Ende nie. Sie mutiert nun zum Techgiganten, der quasi das östliche Amazon, Delivery Hero, Netflix und andere Dienste bündelt. Nach dem Ölsektor mischt der Staat Zukunftsbranchen auf. Wie begehrt sie sind, zeigt der starke Börsengang eines anderen russischen Players diese Woche in New York.

Als die Sberbank, ins Deutsche übersetzt ganz einfach die „Sparkasse“, 1841 gegründet wurde, war der große russische Schriftsteller Fjodor Dostojewski gerade einmal 20 Jahre alt. Ob auch er schon sein Geld dort aufbewahrt hat, so er es nicht vorher wie so oft verspielt hat, ist nicht bekannt. Umso bekannter ist dafür seine Definition der Russen, die ihm zufolge alle gewissermaßen a priori orthodoxe Christen sind – ob sie wollen oder nicht.

Inzwischen freilich fühlt sich nur noch ein Teil der Bevölkerung der orthodoxen Kirche zugehörig. Stattdessen lässt sich heute, knapp 180 Jahre später, sagen: Fast jeder der 146 Millionen Russen war einmal oder ist noch immer bei der Sberbank. 70 Prozent der Bevölkerung nutzen die Dienste des mit Abstand größten Geldinstituts des Landes, ja Osteuropas. Ganze 97 Millionen Menschen zählt es als aktive Privatkunden, dazu 2,6 Millionen aktiver Firmenkunden. Mit einem Netz von 14.200 Filialen überzieht die Bank das Land und ist darüber hinaus in 18 Ländern tätig. Und über 270.000 Mitarbeiter hat sie aktuell noch immer beschäftigt.

Damit nicht genug, nimmt die Bedeutung der Sberbank für Russland 178 Jahre nach ihrer Gründung nicht nur nicht ab, sondern rasant zu. Gerade in den vergangenen paar Jahren hat sich dieser Prozess beschleunigt. Das liegt zum einen daran, dass die Zentralbank, die übrigens bis vor Kurzem in einer seltsamen Tradition die Mehrheit an der Sberbank hielt, von 2013 an den wild gewachsenen Bankenmarkt durchforstete und viele der anfänglich noch über 1000 Geldinstitute zudrehte, was vor dem Hintergrund einer schleichenden Verstaatlichung aller Wirtschaftssektoren – und des großflächigen Rückzugs ausländischer Großbanken nach der Finanzkrise – tendenziell gerade der halbstaatlichen Sberbank am meisten zugute kam.