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Erinnerung an glanzvolle Tage – und eine spannende Auktion: Autor Wolfgang Stubenberg und sein Ex-Klassiker.
Erinnerungen

Wertentwicklung bei Auto-Klassikern? Als ich meinen Fiat Dino versteigerte

Viel ist von imposanter Wertentwicklung bei automobilen Klassikern die Rede – aber die finanzielle Seite ist immer nur die halbe Geschichte. Hier ist meine: Über Liebe auf den ersten Blick, Fahrtwind und Azzurro, immer mehr Kinder auf der Rückbank – aber auch über ergraute Haare und Wehmut statt Feierlaune.

Die Stimme des Auktionators ist professionell erregt. „Ein Prachtstück“, schmettert er, „einzigartig in dieser seltenen Lackierung.“ Mein Pulsschlag steigt, meine Hände sind feucht, obwohl ich mir Gelassenheit verordnet habe. „Fast 25 Jahre im Besitz des Einbringers“, höre ich dumpf aus der Ferne, doch mit den Gedanken bin ich weit weg: Nur nicht drauf sitzen bleiben, vor allem nicht auf den Kosten der Restaurierung! Vielleicht interessiert das Ding ja überhaupt niemanden?

Jemand ruft: „95.000 Euro!“ Dann lange nichts. Bitte nicht, denke ich, die Entscheidung zur Trennung ist schwer genug gewesen, aber doch nicht um jeden Preis! Sekunden tropfen zäh aus der Uhr, eine gefühlte Ewigkeit keine Reaktion.

Endlich! Eine Hand hebt sich in der dritten Reihe. Und gleich noch eine, 110, 115.000 Euro. Dann 120. Nun sind auch die Sensale am Telefon mitten im hektischen Geschehen, 125.000 werden geboten, dann wieder eine längere Pause. Jetzt bin ich im Fieber: „Da geht mehr, kommt Leute!“, denk ich mir wie ein Glücksritter, der einen Lauf am Roulettetisch hat. Und tatsächlich: Die Dynamik der Versteigerung hat endlich Fahrt aufgenommen, ein Bieterduell ist entbrannt. Einer am Telefon, einer im Saal, wie zwei Jagdhunde, die sich die Beute ungern aus dem Maul reißen lassen. 130, 135, 140, schließlich 145.000 Euro – zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten! Der berühmte Hammer saust nieder. Mein geliebter Fiat Dino, Baujahr 1967, erste Serie in Azzurro metallizzato, hat den Besitzer gewechselt. Die Freude über das gute Geschäft hält genau zehn Sekunden, dann kommt bereits Wehmut durch die Hintertür.