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Walk of Häme

Vor dem Fest ein Massentest

Oder: Warum eine Kommunikationsstrategie fehlt und sich Italien revanchiert.

Es war einmal eine Regierung, der man nachgesagt hatte, ihre Kommunikation immer fest im Griff zu haben (um eine Formulierung aus einer alten Boomer-Moschus-Rasierwasser-Werbung aufzunehmen). Doch von dieser vielgerühmt-gefürchteten Message-Control scheint nicht mehr viel übrig zu sein. Nicht nur weil alle über Koalitions-, Parteien- und Ländergrenzen schon länger in großer Aufregung wild durcheinanderreden.

Als der Bundeskanzler zuletzt mit seiner Idee von den Massentests vorgeprescht ist, ist schnell klar geworden, da brennt der Hut, für die Suche nach behübschenden Begriffen und Formulierungen ist nach ein paar Pandemiemonaten keine Energie mehr übrig geblieben. Man hätte sich eine Initiative erwartet mit PK-tauglichen Namen wie „Österreich testet“, „Ö-Test 2020“ und „Wir gegen Corona“ oder zumindest einen griffigen Begriff wie „360-Grad-Test“. Oder einfach „Gratistest für alle“. Aber: Vor dem Fest ein Massentest, ehrlich?

Denn kein zusammengesetztes Wort mit Massen- hat auch nur im Ansatz eine positive Konnotation, ganz zu schweigen davon, dass sich jemand gern so einer Prozedur unterziehen wollte (mit Ausnahme vom Donauinselfest vielleicht). Spontan fällt einem Massentierhaltung, Massenproduktion, Massenabfertigung, Massenmedien, Massenabfertigung, Massenvernichtungswaffen, Massendemonstrationen, Massenverkehrsmittel, Massentourismus etc. ein.

Zu dem kommt noch: Masse suggeriert unweigerlich niedrige Qualität. Bei einem medizinischen Test sowohl was das intime Abstreichprozedere als auch das glaubwürdige Ergebnis angeht ein fatales Signal. Nur falls sich jemand wundert, warum sich die Begeisterung nun in recht engen Grenzen hält. Dabei sollte es schon jeden interessieren, ob er das Virus in sich trägt und vor allem auch an andere weitergeben könnte.

Dass man sich im Leben immer zweimal trifft, erlebt Österreich gerade am Beginn der für Saldo und Seele so wichtigen Skisaison. Während man im ersten Lockdown noch Länder wie Italien, für die der Tourismus rund um Ostern wohl ähnlich wichtig ist, wie nun der Liftbetrieb in der Weihnachtswoche für Österreich, sekkiert und zappeln hat lassen, spürt man nun, wie es sich anfühlt, wenn Nachbarländer versuchen, einem touristisch den Stecker zu ziehen. Nämlich nicht so gut.

florian.asamer@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.11.2020)