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Vielflieger, die Opfer der Pandemie

Auch die Würdenträger des Vielfliegens zählen zu den Opfern der Pandemie.
Auch die Würdenträger des Vielfliegens zählen zu den Opfern der Pandemie.(c) imago images/Scanpix (Karolis Kavolelis)
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Das Mitleid darf sich in Grenzen halten, doch auch die Würdenträger des Vielfliegens zählen zu den Opfern der Pandemie.

Das Ziel, so lässt uns George Clooney als Vielflieger Ryan Bingham in „Up in the Air“ (2009) wissen, „sind die Meilen.“ Was Ryan meint, ist nicht das Horten von Status- und Prämienmeilen, um sie irgendwann gegen weitere Flüge und Edel-Trolleys einzutauschen. Er spricht vom Sinn des Lebens (vor allem von Leuten, die kein eigenes haben, weil sie, wie er, ja ständig im Flieger sitzen).

Mit der Pandemie sind die diversen Loyalitätsprogramme der Airlines nun indes ins Stocken geraten. Erfunden wurden sie vor 40 Jahren in den USA (daher die Meilen als Maßeinheit), als Instrument zur Kundenbindung durch „Lock-in“-Effekt. Ein Airline-Chef hatte festgestellt, dass fünf Prozent der Kunden 40 Prozent des Umsatzes machten. Diese galt es also per Anerkennung über ein Meilenkonto quasi bei der Tragfläche zu halten. Mittlerweile sind aber weltweit so viele Bonusmeilen angesammelt, dass, würden sie alle auf einen Schlag gegen Produkte und Flugreisen eingelöst, die Airlines bankrott gingen. Freilich wird damit kalkuliert, dass ein Gutteil der Meilen überhaupt nie eingelöst wird. Das Ziel, wie Ryan verrät, ist ja auch das Sammeln, der Aufstieg in der Meilenhierarchie.

1993 zog die Lufthansa mit Miles & More nach, heute mit 20 Millionen Teilnehmern (die ÖBB kam zu Lande immerhin 2014 auf die Idee). Im Lockdown nützt aber aller Lock-in nix, weswegen Miles & More die erworbenen Privilegien um ein Jahr verlängert, falls sich wer sorgte, seinen Status als Frequent Traveller, Senator oder HON zu verlieren. Die Porsches auf dem Vorfeld, die HONs zum Gate chauffieren, bleiben einstweilen gut geparkt. ⫻

timo.voelker@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.11.2020)