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Kolumne zum Tag

Wenn eine Netflix-Serie der Allgemeinbildung dient

Die Miniserie „The Queen's Gambit“ brachte wohl bei einigen einen Erkenntnisgewinn.
Die Miniserie „The Queen's Gambit“ brachte wohl bei einigen einen Erkenntnisgewinn.(c) CHARLIE GRAY/NETFLIX
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Wer hat „The Queen's Gambit“ gesehen? Wer kannte vorher die englischen Namen der Schachfiguren?

Meine Bildung hab' ich aus dem Fernseh'n. Im Lied von Lucilectric (wer erinnert sich noch?) aus dem Jahr 1996 steckte durchaus einiges an Wahrheit. Ein knappes Vierteljahrhundert später könnte man eine neue Version davon aufnehmen – und Fernsehen durch Netflix ersetzen. Wussten Sie zum Beispiel vor „The Crown“, wer die Nachfolger von Winston Churchill als Premierminister waren? Eben. Und auch die Miniserie „The Queen's Gambit“ brachte zuletzt wohl bei einigen einen Erkenntnisgewinn – vorausgesetzt, man hat sich das englischsprachige Original angeschaut. Denn ganz unter uns, hätten Sie vorher gewusst, wie die Spielfiguren beim Schach auf Englisch heißen?

Gut, beim König wäre man auf King gekommen. Aber schon die Dame ist als Queen nicht die Eins-zu-eins-Übersetzung. Und nein, der Turm ist nicht einfach der Tower – sondern hat die Bezeichnung Rook. Dieser Begriff kommt aus dem indischen Sanskrit, wo rok für einen Streitwagen stand. Die Figur selbst war übrigens ursprünglich ein Elefant, der einen Turmaufsatz trug. Wie auch immer, im Italienischen wurde daraus rocca, also Festung. Aber wenn wir schon bei den Elefanten waren – Sie werden nicht glauben, wie der Läufer auf Englisch heißt: Bishop. Was das mit dem Elefanten zu tun hat? Nun, im ursprünglichen Schach der Inder, Perser und Araber gab es den Läufer noch nicht, dafür den Alfil, den Elefanten. Im Russischen nennt man die Figur heute noch Slon. Der Franzose wiederum sagt zu ihm Fou, also Narr. Ziemliche Bandbreite, nicht?

Der Springer wiederum, also das Pferd, ist im Englischen der Knight, also der Ritter. Und der Bauer? Der ist mitnichten der Farmer, sondern der Pawn – ein altes Wort für Fußsoldat. Wieder was gelernt, nicht? Bleibt die Frage, was eigentlich ein Gambit ist – aber dafür reicht der Platz hier leider nicht mehr aus . . .

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.11.2020)